Dienstag, April 26, 2011

Neues

Hallo Freunde,

17.04.

Und wieder ist hier eine Woche rum. Ich (Beni) will mal versuchen Euch alles zu berichten, was so passiert ist.
Am Montag haben wir uns vormittags erstmal entspannt. Am Nachmittag hatte ich dann meine üblichen neun Gitarrenschüler. (Jetzt fühlt es sich schon gelegentlich richtig wie Arbeit an J) Direkt nach der letzten Stunde ging es weiter zur ersten Probe für die Ostermesse. Wir probten mit dem Kirchenchor und den zugehörigen Solisten. Schöne Musik wird es dort geben. Nach der Probe gingen wir noch mit Agnes eine Kleinigkeit essen und bemerkten leider erst danach, dass das Lokal namens „Tia Isabell“ (Tante Isabell) auch Pizza im Hörnchen führte. Wir haben uns natürlich vorgenommen, das noch ein anderes Mal auszuprobieren. Da wir uns viel zu erzählen hatten, kamen wir erst recht spät nach Haus.
Daran hatten wir dann am nächsten morgen etwas zu knacken, da wir schon um 5:30 vom hiesigen Pater und Schwester Virginia zu unserem Ausflug (besser gesagt auf Montage) in die Gleba - sozusagen das örtliche Outback – abgeholt wurden. Ausgerüstet mit reichlich Cafézinho, Keksen und Kuchen machten wir uns also auf unseren langen Weg. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, waren wir auch schon mitten in der Pampa. Unglaublich schön, dieses sagenhaft weite Land. Wo man hinschaute nur endlose Wiesen, übergehend in echten Urwald und voll von riesigen, an „Jurassic Park“ erinnernde Felsen. Nach einer kurzen Frühstücks- und Pipipause landeten wir prompt in einer Boi-Herde. Nach Angaben des Boiaderos (Cowboys), trieben er und seine Kollegen 800 Rinder zu einer anderen Weide, da der ursprüngliche Aufenthaltsort der Riesenbullen durch die starken Regenfälle der letzten Wochen unbewohnbar geworden war.
Gegen 8:00 erreichten wir die erste Gemeinde und um 8:30 begann auch schon die Messe. Wir hörten dann 7mal die gleiche Lesung, die gleiche Diskussion derselben und die gleichen Lieder. Am Dienstag waren es zwei Messen am Vor- und zwei am Nachmittag, am Mittwoch weitere drei. Durch die Tatsache, dass wir jedesmal den Gesang der Gemeinde mit unseren Instrumenten begleiteten war es gut auszuhalten.

Wir aβen an beiden Tagen bei sehr netten Familien zu mittag. Am Dienstag abend waren wir bei einer Familie einquartiert, deren Gastfreundschaft auch überwältigend war. Das Ehepaar hatte 7 Kinder, von denen noch vier Mädchen zu Hause wohnten. Sie hatten ein schönes Holzhäuschen und das ganze Szenario erinnerte mich sehr an die Fernsehserie „Unsere kleine Farm“.

Es war auf jeden Fall ein gelungener Ausflug, da es wiedermal allerhand zu lernen gab – sowohl positives als auch negatives. In den Messen stellte ich fest, dass die Ansichten, die hier von Schwester und Pater verkündet wurden für meine Begriffe doch reichlich antiquiert waren und dass mir diese Art von christlichem Glauben aus der persönlichen kirchlichen Laufbahn nicht bekannt vorkam. Vielmehr kam ich mir oft wie in einem gruseligen Film vor. Während der Messen wurde oft von Schuld gesprochen und den nicht anwesenden Gemeindemitgliedern vorgeworfen, dass die Entschuldigungen für ihre Abwesenheit, wie zu viel Arbeit oder kranke Kinder nur Vorwände wären. „In Wirklichkeit wollen sie nur nicht Jesus Licht sehen.“ Auch wurde häufig betont, dass wir Menschen die einzigen Wesen auf Erden sind, die eine Seele besitzen, den Tieren so etwas also nicht vergönnt sei.

Diese Weisheit lebte der Padre auch sehr konsequent, denn wannimmer ich auf einen Hund oder eine Katze traf, die ich dann streicheln wollte, stand der Mann Gottes schon auf dem Plan und trat nach dem Tier. Nach dem Kaffeetrinken am ersten Tag erklärte er mir dann, dass Tiere – im Unterschied zu Menschen – nicht sterben sondern kaputtgehen, da sie ja „Dinge“ sind. Als ich dann erklärte, anderer Meinung zu sein und fragte, wie ein Tier nicht sterben kann, wenn es doch lebt, wurde sofort das Thema gewechselt. An einem ernsthaften Gedankenaustausch war er auf jeden Fall nicht interessiert.

Überhaupt führte sich dieser Mann in einer Art auf, die mir erstens grundsätzlich nicht besonders zusagte und zweitens meiner Meinung nach einem Pater mehr als unwürdig war. Er lieβ sich gerne von vorne bis hinten bedienen, und sagte den Kindern auch schonmal - in Anwesenheit der Eltern -, was sie zu tun und zu lassen hatten. Auβerdem behandelten ihn die Menschen dort sehr unterwürfig und sprangen von ihren Stühlen auf, sobald er den Raum betrat. Die jüngste Tochter unserer Gastfamilie tat dies einmal nicht, worauf sie sofort von der gesamten Familie angezischt wurde: „Komm hier hin, steh auf!“ Worauf der Pater den Raum verlieβ und ihr Geste nicht mal annahm. Dabei war uns dieser kleine Wildfang eher sympathisch, weil er mal , anders als alle anderen, eigene Wege ging und nicht in Demut versank, wenn der Pater den Raum betrat, aber das wird ihr wohl auch noch ausgetrieben werden...:( Als wir am Mittwochabend nach Haus kamen, waren wir ganz schön erledigt, vor allem durch diese bedrückende Stimmung, die überall herrschte, wo der Pater auftrat und von Freude und Glück sprach.

Am Donnerstagabend fand nach meinem Gitarrenunterricht wieder eine Probe statt. Danach probierten wir dann endlich die Pizza im Hörnchen aus. Klasse!
Wir genossen ein ruhiges Wochenende. Heute gingen wir zusammen mit Agnes und Ihrer Kollegin Irene essen. Im Restaurant gab es eine Live-Musik-Familie (Papa, Oppa, Bruder und Schwester an Gitarren und Cavaquinho). Nachmittags gingen wir schwimmen und abends zum See. Dieser war nämlich für dieses Wochenende zum fischen freigegeben. Wir spazierten eine Runde durch die Volksfestatmosphäre und lieβen uns dann an einer Bude mit Fischspezialitäten und 11/2 Bier verwöhnen.

22.04. (Karfreitag)

Ostern steht vor der Tür! Diese Woche hat sich fast schon ein bisschen wie Alltag angefühlt. Gleichzeitig ist es aber auch die „Semana da Cerveja“ gewesen, also die Bierwoche. Irgendwie gab es jeden Tag Bier. (zumindest für mich)

Montag: Gitarrenunterricht, danach Probe, danach essen gehen mit Bier

Dienstag: Geigenunterricht am Morgen, Kaffeekränzchen im Sozialzentrum am Nachmittag, danach essen gehen mit Kiko und Michelle...und mit Bier

Mittwoch: Ein bisschen arbeiten im Sozialzentrum, Kuchen backen

Am Abend waren wir dann zu einem Schulfest eingeladen. Agnes Schwesterkollegin Irene arbeitet nämlich dort als Lehrerin. Es gab Bingo und danach Churrasco...und Bier. Wir hatten unsere Instrumente mitgenommen und spielten noch ein bisschen auf. Danach ging es mit den Schwestern noch auf einen kurzen Abstecher in die Eisdiele ;)

Gestern – am Gründonnerstag – waren wir zum Mittagessen im Haus der Schwestern eingeladen. Danach hatten wir noch etwas Zeit bis es ernst wurde. Um 19:00 versammelten wir uns in der Kirche, um für den Gottesdienst zu proben. Um 20:00 ging’s dann schon los. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schonmal oder wann zum letzten Mal so eine Messe gesehen hab. Die Kirche war rappelvoll, alle Messdiener der Stadt (so wirkte es zumindest) waren im Einsatz. Es wurde allerhand veranstaltet. Einigen Leuten wurden die Füβe gewaschen und zum Ende der Messe wurden alle Sachen vom Altar zum Nebenltar gebracht und dort stehen gelassen. Nach der Messe gingen dann sofort einige Menschen dorthin, um „das Allerheiligste“ anzubeten.

Währenddessen hatten wir unsere Instrumente eingepackt und begrüβten alle Leute, die wir kannten. Nach wenigen Minuten ergriff Schwester Virgínia dann das Mikrofon und sagte in einem recht forschen Ton durch, dass es nach der Gründonnerstagsmesse in der Kirche eigentlich immer still sein müsse, damit die Leute in Ruhe beten könnten – wieder was gelernt. Ich machte mich also raus aus der Kirche und wir klönten drauβen noch etwas weiter. Einige Einheimische blieben von der Durchsage ziemlich unbeeindruckt und es dauerte noch eine ganze Zeit bis die Kirche wirklich still war.

Wir gingen mit Agnes noch eine Kleinigkeit essen und erzählten uns schöne Geschichten. Ich muss unbedingt die Geschichten aufschreiben, die Agnes über meinen Oppa erzählt. Einige kannte ich schonmal, habe sie dann aber wieder vergessen.

Jetzt ist Karfreitag und ich habe gerade einige köstliche Struwen vertilgt, die uns Sophia heute fachmännisch/-frauisch zubereitet hat. Bei unseren brasilianischen Gastgebern sind sie nicht so gut angekommen. Vor allem der Salat mit süβer Soβe war ihnen doch sehr suspekt ;)

(Sophia)

Dazu kann ich nur noch anfügen, dass ich die Woche mit Agnes im Sozialzentrum verklönt hab. Wenn sie Zeit hatte, haben wir ganze Nachmittage mit handarbeitlichen Tätigkeiten (Malen, häkeln, nähen) auf der offenen Terasse des Sozialzentrums verbracht und uns richtig schön unterhalten können.

Am Donnerstag Morgen waren wir dann noch zusammen im Doce Mania, was wie ihr vielleicht erkennen könnt ein Ort ist, an dem es unheimlich viele und tolle Süssigkeiten gibt. Eine Frau macht diese in ihren Privaträumen nur für die Osterzeit und so betraten wir zwei Räume voller Schokolade!!! Kleine und grosse Schokoladeneier, Pralinen in allen Geschmacksrichtungen und Formen, man war ich glücklich als sie uns dann fragte, ob wir was probieren möchten. Natürlich konnte ich auch nicht wiederstehen und kaufte ein Probierpacket mit Pralinschen!

Eins muss man traurigerweise dazu sagen: Selbst wenn diese Schokolade wirklich lecker ist, kommt sie immernoch nicht an deutsche Schokolade heran! Die Schokolade hier hat ihren eigenen Geschmack und der ist für mich um Längen hinter der deutschen zurückgeblieben. Wenn wir in Deutschland landen, muss ich mir wahrscheinlich erstmal ein Snickers kaufen (Gibts hier auch net!)

Macht es erstmal alle wieder gut.

Wir melden uns bald zurück und es dauert auch nicht mehr lange, bis wir Euch alles ao vivo (live) erzählen können.

Bis bald,

Sophia und Beni