Freitag, April 01, 2011

Endlich was Neues!

Hallo Leute,
viel ist passiert seit der letzten Mail und das ist auch der Grund aus dem wir erst jetzt wieder Von uns hören lassen. Auβerdem gibt es in unserer neuen Heimat kein WLAN. Darum muss ich nun unser Tagebuch, das sich auf unserem Telefon befindet abtippen.
Naja, legen wir mal los. Der nächste Teil unserer Geschichte beginnt Montag vor einer Woche, also am 21.03.
So gingen wir Montag also frohen Mutes in die GEFEP, um unsere neuen Kollegen in Empfang zu nehmen. Aber ratet mal: Keiner kam! Also telefonierte Terezinha hinterher und fand heraus, dass die beiden erst am Mittwoch kommen würden. Wenigstens konnten wir noch am selben Tag mal wieder einer unserer Lieblingsbeschäftingungen nachgehen und mit Luiz und Nyeta ausgehen. So ging’s ab nach Lapa, um dort Sinuka zu spielen. War das schön! Man wollte gar nicht gefühlsduselig sein und zugeben, dass die beiden uns schon gefehlt hatten. Als Nyeta dann allerdings erzählte, wie oft sie an uns gedacht hatten und wie gerne sie uns dabei gehabt hätten, wurde die Stimmung doch schnell recht emotional. Oh Mann, wie soll das bloβ werden, wenn wir nächste Woche abfliegen?! Sowohl am Montag als auch am Dienstag war das Projekt wirklich unbefriedigend. Mit Antonia arbeiten die Kinder unkonzentriert und streiten nahezu pausenlos. Wenigstens haben wir schon Gelegenheit bekommen unsere Bedenken den anderen Lehrern gegenüber zu äuβern. Bei Antonia stöβt nämlich leider jegliche Kritik auf Taube Ohren.
Am Mittwoch erreichten uns dann endlich die neuen Voluntários – und Überraschung: Die beiden kommen gar nicht aus Irland – es sind Holländer! Sie sprechen noch wenig bis gar kein portugiesisch und so bestand unserer neue Aufgabe darin, die beiden als Übersetzer zu begleiten. Zuerst wurde natürlich in der Padaria um die Ecke zu mittag gegessen. Dort saβ natürlich auch wieder die gesamte Polizistenbande zusammen. Danach ging’s zum Projekt, in dem die allwöchentliche Musikstunde mit Luiz wie immer toll war. Danach zur Copacabana und ... na klar ... was wohl ... ESSEN!
Endlich war es mal wieder Donnerstag und Camilla unterrichtete im Projekt. Mit ihr macht es einfach Spaβ. Danach hatten wir Spaβ mit den Holländern, die zum ersten mal mit Terezinhas mütterlichem Charme in Kontakt traten und versuchten, auf brasilianisch zu erklären, warum sie Brasilien so gut finden – Muito ingrassado! (Sehr witzig!) Die Holländer heiβen übrigens Berents und Hank.
Auβerdem war am Donnerstag auch noch St. Kathrin’s/Patrick’s Day! Also machten wir uns abends auf zum Irish Pub in Lapa. Als wir ankamen war bereits die gesamte Straβe voll von grüngekleideten Menschen. Zum Glück erkannte uns einer der Kellner wieder, da wir den Pub schon einmal besucht hatten, um nach einer Auftrittsmöglichkeit zu fragen. Er erzählte uns, dass schon seit drei Uhr gefeiert wurde und bereits 500 Gäste vor Ort waren. Dann bot er uns ein Freier-Eintritt-Bändchen na und wir machten uns auf ins Gewühl. Einfach ein netter Mann, der mal in Darmstadt gewohnt hat und für Lacher sorgte, als wir den Namen
übersetzten. Es spielte dann eine geile Rock'n'Roll Band all das alte Zeugs, auf das Beni und ich stehen. Zwischendurch jamten sie auch einfach nur rum. Es hat Spaß gemacht, sich das anzuschauen und anzuhören! An der Theke ergatterten wir auch etwas später ein Bier - und zwar ein Grünes! Da uns 10 Reais für ein Pint auf die Dauer zu teuer war, gingen wir, nach dem
die Band fertig war nach draußen und warteten auf einen Straßenverkäufer. Nach dem wir dann unser erstes Bier aufhatten trafen wir - na wen wohl? - die Holländer. Daraufhin haben wir uns doch ziemlich verquatscht und traten erst sehr spät unseren Heimweg an.
Das hat uns am Freitag etwas zurückgeworfen, da wir bereits um 10 Uhr mit Luiz in Saens Pena verabredet waren, was schon etwas außerhalb, auf dem Weg zum Floresta da Tijuca liegt.
Ein wenig zu spät und hundemüde erreichten wir dann doch den Praça am Alto da Boa Vista. Dort wartete schon Alexandra auf uns und wir tranken zu Beginn erstmal Ananassaft mit Pfefferminz und Eis! Das hat mich/ Sophia wirklich weit nach vorn gebracht. Beni war natürlich fit wie immer und so fingen Beni und Luiz schon auf der Hinfahrt im Bus an rumzualbern. Nach unserer Stärkung betraten wir dann den Nationalpark. Einfach gut dieser Ort. Es ist still, die Luft ist rein, die Bäume riesig, es gibt riesige Wasserfälle (habe ein paar gute Fotos für Dich, Mama Gabi) - einfach eine Umgebung mit Energie! Wir haben dann sogar den Pico da Tijuca bestiegen und sind dafür durch den Regenwald geklettert! Nach dem ca. einstündigen Aufstieg hatten wir einen unglaublichen Blick über die Stadt, und zwar die gesamte Stadt! Auf dem Gipfel konnte man auf beiden Seiten das Ausmaß einer 11 Millionen-Metropole sehen. Wirklich umwerfend! Danach haben wir uns dann mit einem absolut geilen Essen belohnt! Es gab Roesti! Und zwar Tellergroß mit Speck und diversen Füllungen. Dazu Fleischfondue und verschiedene Salate. Wir haben alles bis zum letzten bisschen verputzt und auch noch ‘ne Nachspeise geschafft. Das hatten wir uns aber auch verdient! Samstags gabs wieder Musikstunden und durch eine Pfändung in einem anderen Projekt war Luiz günstig an 10 neue Gitarren und gekommen. Jetzt bekam jeder Schüler eine richtige, neue Gitarre in die Hand und die Gruppe wurde aufgeteilt. Da wurde richtig semiprofessionell gearbeitet! Ich habe in der Zeit die Übersetzerin für die Holländer gemacht, die sich mit den Soziale Arbeit Studenten getroffen hatten, um das Fuβball Projekt zu besprechen. Die GEFEP betreut nämlich Studenten nach ihrem theoretischen Studium in einer zweijährigen Praxisphase. Dort trafen sich also ca. 20 Studenten und wuselten sich natürlich erstmal lange durch organisatorische Fragen. Soweit kam mir alles ziemlich bekannt vor! Nach etwas Wartezeit setzten wir uns schließlich mit den Studenten, die das Fussballprojekt betreuen zusammen und brachen schließlich auf, um den Jungs die Umgebung und das Fuβballfeld zu zeigen, welches in der Favela liegt.
Danach sind wir mit Luiz und Nyeta einkaufen gefahren, um uns für Sonntag einzudecken. Wir sind nämlich heute (Sonntag) wieder im Floresta de Tijuca gewesen, um ein großes Churrasco zu machen. Eine Schwachstelle hatte das ganze: Wir hatten alles besorgt, bis auf das Fleisch. Damit sollten Camilla und Morilo kommen. Jetzt folgt wieder eine dieser brasilianischen Verwirrungsgeschichten. Camilla hatte Beni am Samstag gesagt, dass sie gerne mitkommen würde, also riefen wir ihren Freund Morilo an, um ihn zu fragen, ob er Fleisch besorgen könnte. Er sagte zu und wir fuhren nach Haus. Abends hat er sich dann mit Camilla getroffen, aber nichts über die Verabredung erzählt. Am nächsten Morgen hat Luiz nochmal bei ihm angerufen, um ihn irgendwas zu fragen und er wirkte ganz normal. Im Wald angekommen haben wir eine schöne Churrasco-Stelle gefunden und alles vorbereitet. Aber die beiden kamen und kamen nicht. Schließlich habe ich versucht, Morilo anzurufen und nur kurz mit ihm gesprochen, weil er meinte : “Warte kurz, nur eine Minute.” Danach wurde die Verbindung unterbrochen und ich konnte ihn nicht mehr erreichen. Nach einer weiteren Stunde warten, ging Nyeta nochmal los und erfuhr dann über drei Ecken (Terezinha), dass Camilla gar nichts von unsrem Treffen wusste und Morilo anscheinend krank ist. Also rafften wir enttäuscht unsere Sachen zusammen und suchten ganz schnell das tolle Restaurant vom Freitag auf! Es war inzwischen schon 2 Uhr geworden und wir warteten bereits seit 10 Uhr im Park! Aber zur Belohnung gabs feines Filet Mignon mit Roesti!                                                   Diese Roestis sind einfach maravilhoso!
Achja, habe ich erwähnt, dass Obama angekommen ist? Gestern Abend telefonierten wir mit Benis Eltern, als es auf einmal ein Riesengetöse gab. Die Wände wackelten und man konnte sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Wer flog da mit seinem Riesenhelikopter mit zwei Rotoren über unser Haus? Natürlich Obrahma ( angelehnt an die brasilianische Biermarke Brahma) mit seinem Hofstaat. Er besichtigte gestern Abend die Stadt und so "traf" auch Luiz auf ihn, als er Abends an der Copacabana spazieren ging. Da fuhr er vorbei in einer großen Limousine! Heute war es dann aber relativ ruhig in der Stadt. Man hat Panzer und Militär gesehen, aber Obrahma's Rede wurde kurzfristig in ein Theater verlegt, so dass die gemeine Bevölkerung sowieso keinen Zutritt dazu hatte. Aber als er über unser Haus flog hat uns praktisch nur ein Hausdach und ein Helikopterboden voneinander getrennt ;)) …
Jetzt ist schon Samstag (26.03.),  wir sitzen in Brasília am Flughafen und uns trennen noch gute zwei Stunden von Cuiabá und Tante Agnes. In dieser Woche haben wir nicht viel im Projekt gearbeitet, da wir vor der Weiterreise noch einiges zu erledigen hatten. Am Montag räumten wir morgens für zwei Stündchen gemeinsam mit den Holländern die Kinderbibliothek des Projekts auf. Danach machten wir uns schnell vom Acker, da wir noch Geschenke für Terezinha und Luiz und Nyeta basteln wollten. Wir machten Fotos, auf denen wir die Buchstaben Ihrer Namen darstellten und zwar nur mit unseren wunderschönen Körpern.                                          
(@Inga: Danke für diese tolle Idee)
Am Dienstag verbrachten wir gute 7 Stunden damit unser Touristenvisum um weitere 90 Tage zu verlängern. Abends waren wir bei Terezinha, um von ihr die gesamte Geschichte der GEFEP zu erfahren. Als wir danach völlig erschöpft nach Hause kamen, mussten wir feststellen, dass unsere Kamera weg war. Anscheinend hat sie uns irgendjemand im Projekt geklaut.             
MUITO CHATO! (SEHR KACKE!)
Am Mittwoch haben wir ein großes Paket gepackt und es zu Gabi und Bernd nach Deutschland geschickt. Es haben sich doch ganz schön viele Sachen in unserem Gepäck angesammelt ;) Nachmittags gab's Musikunterricht mit Luiz und abends ein weiteres mal Bolo de Cebola (Zwiebelkuchen). Terezinha machte Kartoffelsalat dazu, da sie ja jetzt weiß, wie es geht. Wir hatten wirklich einen tollen Abend, Luiz und Nyeta zeigten Fotos ihres Karnevalurlaubs, Terezinha schlug die Hände über dem Kopf zusammen, da Luiz während seiner Präsentation zur Höchstform auflief und wir kamen aus dem Lachen nicht mehr raus.
Am Donnerstag zogen wir dann erneut los, um Fotos für die Geschenke zu machen. Die ursprünglichen Bilder waren ja gemeinsam mit der Kamera verschwunden. Noch ein letztes mal: MUITO CHATO! Den Nachmittag verbrachten wir nach einem üppigen Mittagessen mit Luiz am Strand. Wir redeten nicht viel, da sich anscheinend so langsam Abschiedsstimmung breit machte. Abends kam Nyeta dazu und wir redeten sehr viel über die Situation in Rios Favelas und die aktuellen politischen Entwicklungen in Brasilien.
Am gestrigen Freitag packten wir dann schon wehmütig unsere Rucksäcke und gingen ein letztes Mal zur GEFEP, um uns schonmal von den Kindern zu verabschieden. Abends trafen wir uns mit Luiz und Nyeta, um noch einmal nach São Cristóvão zu fahren. Wir überreichten unser Geschenk und es flossen die ersten Tränchen. In São Cristóvão besuchten wir erneut den berühmten Markt mit Musik, Speis und Trank aus dem Nordosten Brasiliens. Wir aßen, tranken und lachten bis tief in die Nacht.
Heute sind wir dann schon um 6:30 aufgestanden, da Luiz und Nyeta uns samt unseres kompletten Gepäcks zur GEFEP mitgenommen haben, wo unser letzter Musikunterricht stattgefunden hat. Es ist traurig gewesen zu gehen. Luiz und Nyeta haben uns dann natürlich noch zum Flughafen gebracht. Diese beiden sind wirklich der Kracher. Es ist wirklich verrückt, dass man in so ein riesiges Land, in so eine riesige Stadt
reist und ausgerechnet auf diese beiden Personen trifft. Wir sind anscheinend doch Glückskinder! Wir haben uns jedenfalls unter Tränen verabschiedet. Wirklich sehr traurig ist das gewesen. Mittlerweile sitzen wir schon im Flieger mach Cuiabá, wo Agnes auf uns wartet. Wir berichten bald mehr. Bis dann.

Wir sind gut in Cuiabá angekommen. Tante Agnes erwartete uns schon am Flughafen und es war ein richtig tolles Wiedersehen. Wir fuhren zu einem Haus ihres Ordens, in dem zwei Schwestern wohnen. Anderen Leuten dient es als Schlafplatz, wenn sie mal Einkäufe oder andere Dinge in Cuiabá erledigen müssen. Eine der Schwestern war noch wach und wartete mit einem leckeren Abendessen auf uns. Wir aßen und plauderten noch ein bisschen, fielen aber bald todmüde in unsere Betten.
Am Sonntag schliefen wir dann fast bis mittags, um danach einen Ausflug in einen kleinen Zoo zu machen, der zur Universität von Cuiabá gehört. Hier gibt es Tiere aus der Region zu bestaunen. Quates (Nasenbären), Sucuris (große Würgeschlangen), Onças (große Pantherkatzen), Krokodile, Ameisenbären, singende Papageien und viele andere. Nach diesem aufregenden Zoobesuch waren wir doch ziemlich hungrig und aßen zum Mittag einen großen Eisbecher.
Wir fuhren zurück zu Agnes Kolleginnen und schon bal gab es Abendessen. Eine köstliche Hühnersuppe, gekocht von einem freilaufenden Huhn. Eine Schwester brachte uns zum Bus und wir machten uns auf den Weg nach Matupá.
Soviel erstmal. Wir werden Euch bald aus Matupá berichten.
Bis dann fühlt Euch gedrückt von
Sophia und Beni