Donnerstag, März 17, 2011

Neues....

Gentes! ( Leute!)

Von weit weg erreichen euch heute Grüße an alle Jecken und Karnevalsverrückten!
Natürlich erreichen die Grüße auch alle Zu-Hause-bleiber und Mal-Nichts-Macher, aber sicher werden sich beide gleichermaßen über die Dokumentation unserer Karnevalswoche in Rio freuen.

Heute, am Donnerstag (03.03.), wurde sie schon gebührend eröffnet. Wir haben heute mit allen Kindern eine große Karnevalsfeier veranstaltet.
Alle haben sich verrückt verkleidet. Benita und Valerinha waren meine Begleiterinnen in blassrosa und knallpink. Ich hingegen kann von mir behaupten, ein Mann mit ziemlich großen Muckis gewesen zu sein.
Wir haben dann einen Bloco de Samba mit den Kindern gemacht und sind spielend, singend und tanzend die Straße runtergelaufen. Dann haben wir Terezinha in der GEFEP besucht und sie mit in das andere Haus genommen und einen Snack genommen: cachorro quente = Hot dog ! ;) Gestern Abend haben Beni und ich, um die AbschiedsFeierlichkeiten für Valério zu eröffnen, Salada alemão gemacht, oder auch Salada de batatas= Kartoffelsalat. Dazu gabs Würstchen und Bier. Vorher haben
wir noch mit Luis und allen Kindern eine Musikstunde gemacht und einen ganz guten Chor zustande gekriegt.
Heute Abend hat Valerio italienisch Massa mit Ragout , also Spaghetti Bolognese gemacht. Morgen werden wir in die Innenstadt fahren und uns mit kleinen Details ausrüsten, denn ganz ohne Fantasía=Kostüm kann man nicht losgehn. Dann starten die Blocos. Es sind anscheinend jeden Tag in mehreren Vierteln, zu allen Uhrzeiten welche.
...

05.03.
Heute haben wir richtig was geleistet. Um 12:00 mit Valério in Lapa getroffen, viele Blocos aus der Ferne gesehen. Danach waren wir in einem Irish Pub in Ipanema, um unsere CD abzugeben und nach einem Gig am St. Patrick's Day zu fragen. Mal sehen was daraus wird!? Bis jetzt natürlich nur: "Hm, ähm, äh, mal schauen." Heute Abend gab's dann lecker Churrasco in der GEFEP. Es war der letzte Festtag zu Ehren von Valerio, der uns ja bald verlassen wird.
Luis und Nyeta mussten jetzt schonmal tschüss sagen, weil sie morgen, am Sonntag in den Urlaub fliegen. Eine Woche Natal!
Gestern sind wir in die Innenstadt gefahren und haben uns in die Höhle des Touristen begeben. Ein Geschäft reihte sich ans andere und jeder brauchte noch irgendeinen Kram, aber wir haben trotzdem ein paar schöne Karnevalaccessoires ergattern können. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz begehrt. Masken, Hüte, Kostüme, bunte Brillen und vieles mehr.
Leider hat es pünktlich zum Karnevalsbeginn angefangen zu regnen und hat auch seitdem nicht mehr aufgehört. Also sind wir heute durch die Stadt gelaufen und waren nach 5 Min schon klatschnass. Hier freuen sich natürlich alle Straßenverkäufer, da sie ein Riesengeschäft mit Regencapes und Regenschirmen machen. Einen Regenschirm hat wahrscheinlich kein Touri in seinen Koffer gepackt, so auch wir nicht.
Dafür haben wir heute direkt einen schönen erstanden!
In der Stadt war heute wirklich der Bär los. Bei solchen Menschenmassen auf den Straßen, wär bei uns alles abgesperrt. Aber hier führen die Straßen die Autos mitten durch alle Feiernden hindurch. Somit kam annähernd der gesamte Verkehr zum erliegen und die Leute feierten zwischen gelben Taxen und Bussen. Selbst in der Ubahn ist seit gestern Party angesagt. Mehrere Grüppchen tanzen, singen und schlagen dazu den Rythmus auf dem Dach der Ubahn. Die Stadt hat irgendwie in den Feiermodus umgeschaltet. Überall auf den Straßen oder in den Bars und Cafes sind Leute unterwegs. Und wir waren heute in drei verschiedenen Stadtteilen!
Außerdem durften wir grade unsere Mitbewohnerinnen im Fernsehen bewundern. Sie sind mit riesigem Kostüm bei einer großen Sambaschule mitgelaufen. Habe heute schon Fotos von ihnen gemacht.
Ach ja, unser Flug ist gebucht. Am 26. März geht's ab nach Cuiabá.
Noch 20 Tage Rio. Was für eine Stadt. Man hat wirklich das Gefühl Teil von etwas Besonderem zu sein und zu werden, wenn man hier eine längere Zeit lebt. Die Tage verfliegen schnell, da alles einfach passiert.
...
12.03.
Und schon wieder eine Woche rum und keine Zeit gehabt, um zu schreiben.
Den Karnevalssonntag verbrachten wir bis zum Abend abhängenderweise zu Hause, um uns dann noch auf ein Bier mit Valério zu treffen.
Wir waren in Lapa, alles war sehr laut und nach 2h sind wir schonmal nach Hause gegangen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der hiesige Karneval dem deutschen schon sehr ähnlich ist. Die Paraden und Umzüge sind natürlich größer aber die Art zu feiern ist identisch. Da wir daheim ja auch nicht besonders Jeck sind, entschlossen wir uns dazu, unser Schicksal, als langweilige Stubenhocker zu verkümmern, anzunehmen und verbrachten Rosenmon- und den darauffolgenden Tag (Veilchendienstag?!) lesend und musizierend zwischen Bett, Wohnzimmer, Küche und Balkon. Herrlich! Am Mittwoch haben wir uns dann wieder auf die Straße getraut und sind ins Stadtzentrum gefahren. Die Hälfte der Geschäfte hatte geschlossen und die Straßen waren angenehm leer. Eine leichte Urinnote in der Luft und haufenweise Müll am Straßenrand waren alles, was noch vom Karneval zu spüren war. Wir liefen morgens bis ins Zentrum, machten dort einen großen Spaziergang und meisterten den Rückweg auch noch per Pedes.
Somit war der Tag schon rum und nach einem köstlichen Jantar=Abendessen klang er ruhig und zufrieden auf dem Balkon aus.
Am Donnerstag haben wir dann traurigerweise Valério verabschieden müssen,der sich wieder auf den Weg nach Italien machen muss. Er selbst hatte nämlich eingesehn: "Zehn Monate reisen ohne zu arbeiten, jetzt habe ich wirklich kein Geld mehr!"
Also trafen wir uns mit Camilla, ihrem Freund Morilo, Joana und Valério erneut im Pizzarodizio....! Es war wirklich lustig und nach dem Verabschieden zu Haus angekommen, waren Beni und Ich entsprechend wehmütig! Keine Musikstunden mehr mit Valerínho..:( Das gute ist aber, dass Italien immernoch besser erreichbar ist als Brasilien und vor Allem ne Reise wert, nicht? Da Valério zwischen Florenz und Pisa wohnt, starte ich hier mal den Aufruf an alle Italienreiseinteressierten! Mit einigen hatte ich (Sophi ) ja schon das Vergnügen! (Ja Ihr seid gemeint, wie sieht's aus?)
Den Freitag haben wir dann nochmal genutzt, um nichts zu tun. Samstag morgen sind wir früh aufgestanden und in den Parco Nacional da Tijuca gefahren. Dem Reiseführer hatten wir entnommen, dass es einen tollen Wanderweg gibt, der über einen Berg führt und auf halber Strecke einen Aussichtspunkt, die Vista Chineza (zu deutsch: chinesische Aussicht) ansteuert.
Wir haben uns also Brote geschmiert, Tee gekocht, Obst und Kekse eingepackt und sind losgezogen. Nach gut 1,5h Bus- und Bahnfahrt standen wir am Eingang zur Estrada da Vista Chineza. Leider konnten wir den angekündigten Wanderweg nicht finden. Es führte nur eine breite geteerte Straße Richtung Berggipfel.
Wir liefen also dieser Straße für ca. 6km nach. Wenn grad kein Auto zu hören und kein Mensch zu sehen war und man den Kopf hob, kam man sich vor wie im Urwald. Riesige lianenbehangene Bäume säumten die Straße.
Sie trugen viele Jacas, eine riesige, medizinballähnliche Frucht. Wir kamen schließlich an der Vista Chineza an, die ihren Namen wohl dem kleinen chinesischen Häuschen zu verdanken hat, dessen Dach die Aussichtsplattform überspannt. Hier hatten wir wirklich einen tollen Ausblick über ganz Ipanema. Den berühmten Jesus hätte man wohl auch gut sehen können, aber der gönnte sich nach den ganzen Carnavalstrapazen wohl auch eine kleine Auszeit und hüllte sich in graue Wolken.
Sonntag wurde es dann wieder Zeit, nichts zu tun. Wir telefonierten mit ein paar Menschen in Deutschland und schrieben, in Zusammenarbeit mit dem daheimgebliebenen Teil der GoodNightFolks, noch ein neues Lied per Internetaustausch.
Jetzt ist es Montag und die Arbeit geht wieder los. Heute sollten zwei Voluntaires aus Irland hier auftauchen. Leider sind sie nicht erschienen. Terezinha hat nochmal telefonisch nachgehakt und herausgefunden, dass die beiden uns doch erst am Mittwoch einen ersten Besuch abstatten werden.
Wir werden dann wohl als Dolmetscher agieren müssen, da die beiden anscheinend kaum portugiesisch sprechen.
Wir melden uns zurück, wenn es wieder Neuigkeiten gibt.

Bis dann,

Sophia und Beni