Neuigkeiten aus Rio
Hallo Freunde,
endlich finden wir mal wieder die Zeit, ein paar Zeilen an Euch zu richten.
Ich (Sophia) weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.
Also:
Wir haben es schliesslich geschafft Terezinha anzurufen und haben noch am selben Tag (27.01.) das Projekt GEFEP zum ersten Mal besucht. Wir lernten die Räumlichkeiten und einige der Mitarbeiter kennen.
Das Projekt hat seinen Hauptsitz in der Rua de Aureliano Portugal im Stadtteil Rio Comprido in Rio de Janeiro. Die Strasse ist umringt von Favelas, in denen viele arme Menschen auf wenig Raum zusammenleben. Oft wohnen diese Leute in notdürftig zusammengebauten Häusern oder Hütten, die sie sich ohne Genehmigung bauen. Sie besitzen kein Grundstück oder Land und suchen sich einfach einen Platz, an dem sie bleiben können.
Die brasilianische Regierung hat bereits angefangen, an diesem Problem zu arbeiten, in dem sie den landlosen Menschen Gelder zur Verfügung gestellt hat. Aber speziell in den grossen Städten kann man das Wachstum der Gebiete schlecht kontrollieren.
Wir haben auch in Recife einen Stadtteil besichtigt, der Brasilia Teimosa genannt wird, was soviel bedeutet wie: dickköpfiges Brasilien. Die Menschen dort hatten ihre Häuser ohne Genehmigung gebaut, so dass die brasilianische Regierung sie abreißen ließ. Die Menschen aber bauten ihre Häuser einfach wieder auf, da sie keinen anderen Platz hatten oder kannten, an dem sie wohnen konnten. Die Polizei versuchte immer wieder, die Leute zu vertreiben, aber sie bauten solange Ihre Haeuser wieder auf, bis die Regierung schliesslich aufgab.
So ergab sich auch der Name des Stadtteils.
Aber zurück nach Rio:
Die Angebote des Projektes richten sich hauptsächlich an Menschen aus den genannten Favelas. Die Leiterin des Projektes, Terezinha, ist Sozialarbeiterin in Pension und koordiniert ehrenamtlich die verschiedenen Angebote.
Sie begleitet außerdem brasilianische Studenten, die nach Abschluss des theoretischen Teils ihres Studiums in eine zweijährige Praxisphase gehen. Sie treffen sich im Haus des Projektes und organisieren einzelne Projekte oder führen Nachbesprechungen durch.
Das Haus hat einen großen Aufenthaltsraum als Eingangsbereich. Dort gibt es viel Platz für große Treffen und Besprechungen. Hier ist auch der Arbeitsplatz von Terezinha. Im hinteren Untergeschoss findet man einen Raum voller Klamotten, die für einen Basar gesammelt werden, durch den die Organisation Geld für ihre Projekte sammelt. Außerdem gibt es eine Küche und draussen einen Innenhof. Hier werden auch Kurse mit den Gitarrenschülern abgehalten, erklärte uns Luis, der einer der Gitarrenlehrer ist. Im ersten Stock des Hauses befinden sich noch mehr Unterrichtsräume. Auf der linken Seite ein Raum mit Computern, die von den Kindern zum arbeiten mit Noten, aber auch in ihrer Freizeit genutzt werden können. Dahinter ist ein kleines Büro von Luis, mit seinen Instrumenten. Er lagert hier verschiedene E- Gitarren, klassische Gitarren, Trommeln und Blasinstrumente. Das Projekt ist ein Standpunkt des Ponto de Cultura, der vom brasilianischen Kultusminister mit Geldern unterstützt wird. Der aktuelle brasilianische Kultusminister Gilberto Gil ist selbst Musiker und investiert in Projekte, die brasilianische Musik und Kultur vermitteln.
Neben Luis Büro liegt ein Raum, der weitgehend leer ist, da er für Tanzstunden, aber auch zum Zusammenspiel vieler Musiker dient. Man hat hier den Raum, größere Gruppen von Schülern zu unterrichten oder auch mal einen großen Gitarrenverstärker anzuschliessen. Weiterhin gibt es noch Räume zum künstlerischen Arbeiten und zum unterrichten.
Im Hinterhof befindet sich auch noch ein kleines Studio, das die Teilnehmer günstig mieten können, um hier eigene Musik aufzunehmen und Videos dafür zu schneiden. Dort präsentierte uns am ersten Tag auch direkt ein Jugendlicher ein selbst produziertes Video, zu dem er die Musik geschrieben und aufgenommen hatte. Das Ergebnis ist ihm wirklich gut gelungen.
Wir lernten auch Valério kennen, der aus Italien kommt, auch Musiker ist und freiwillige Arbeit als Klavierlehrer und Mädchen für alles im Projekt leistet.
Da in Brasilien noch bis zum 6 Februar Sommerferien sind, wurden im Haus keine Kurse gegeben. Am Samstag Morgen gibt Luis aber Gitarrenunterricht und wir verabredeten uns, um Musik zu machen. Wir trafen dann einige seiner Schüler. Es waren erst Gitarrenschüler da, die gerade den Blues lernten als wir ankamen. Beni und Ich spielten dann auch einen unserer Songs und setzten uns danach mit zwei Akkordeonschülern, drei Sängern und Sängerinnen, Trommlern, Valério, der Keybord spielte und Luis, der zwischen Querflöte, Gitarre und Bass hin und her wechselte zusammen.
Wir lernten ein paar traditionelle brasilianische Musikrichtungen kennen, wie zum Beispiel Forró, Samba und Bossa Nova. Die Stücke, die wir gespielt haben waren wirklich interessant und ganz anders als das, was wir aus Deutschland kennen. Vor Allem finden wir es schön, dass hier auch viele junge Menschen sich mit traditionell brasilianischer Musik beschäftigen und sich mit ihr verbunden fühlen. Die Stücke der einzelnen Musikrichtungen sind vergleichbar mit deutscher Folklore oder den Stücken deutscher Liedermacher wie Hannes Wader oder Reinhard Mey, nur viel bekannter und beliebter.
So haben wir den ganzen Samstag Vormittag zusammengesessen, gespielt, improvisiert und gelernt. Beni und ich durften auch noch ein paar Stücke unserer Band GoodNightFolks und einige Eigenkompositionen präsentieren, die den Anderen gut gefallen haben.
Neben der ganzen Arbeit hatten wir natürlich auch noch ein bisschen Zeit für Vergnügungen ;) So waren wir am Freitag mit Luis einkaufen und sind Essen gegangen und die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Also liefen wir, sowieso schon sehr albern, durch den Supermarkt, als auf einmal ein Mitarbeiter des Supermarktes angefangen hat Preise und Angebote singend vorzutragen.
Er war hörbar fröhlich und sang sehr vergnügt von günstigen Preisen.
Ich hab mich halb tot gelacht. Danach waren wir mit Luis und seiner Freundin Nieta in einer Bar an der Copacabana in der es ca. 20 verschiedene Sorten Bier gab , auch ein paar deutsche!!
Es gab Leckeres Franziskaner und Erdinger, was hier sehr beliebt ist.
Beni hat dann sein Murphys genossen, was natürlich zu einer interessanten Diskussion über die Stickstoffkugel in der Dose (gezapft wurde natürlich nicht) geführt hat.(Was heisst eigentlich "Stickstoff" auf portugiesisch?!!) Nieta hat die Dose dann als Andenken mitgenommen.


Da es in Rio im Moment wirklich unglaublich heiß ist, haben wir noch einen Abstecher ans Meer gemacht, also DAS Meer an DER Copacabana.


Jeden Tag sind es jetzt mindestens 40 Grad und abends kühlt es dann auf erträgliche 31/32 Grad ab.
Das ist echt eine krasse Hitze, bei der selbst ich bei jeder Bewegung schwitze. Beni hat sich direkt total erkältet, weil wir am Donnerstag mit Terezinha in einer Shopping Mal mit Air Condition waren. Es ist kaum zu glauben, wie doll die Luft darin abgekühlt wird. Ich weiß, dass 20 Grad nicht kalt sind, aber wenn man völlig verschwitzt aus dem 40 Grad heißen Rio kommt...tja jetzt läuft Beni die Nase in der größten Hitze.
Nach dem Musik machen am Samstag sind wir dann los, um zum Strand zu fahren, das heißt wir wollten erst kurz was essen. Dazu muss ich erklären, dass wir mittlerweile festgestellt haben, dass in Brasilien alles ungefähr so läuft, als ist man gerade am Ende eines schönen Familientreffens und jeder steht schon, aber keiner will so recht los.
So standen wir noch lange Zeit im Haus des Projektes, probierten dieses und jenes Instrument aus, jamten rum, Beni und ich holten unsere Sachen und prompt standen die Jungs in der Küche rum, weil sie vor lauter Hunger erstmal Kaffee gekocht haben. Dann waren wir was essen und es gab aber erst noch lecker Nachtisch. Nach dem Bezahlen bestellte Luis "noch eben" drei Cafezinhos und wir standen vorn an der Kasse rum. Jetzt fuhren wir zu Luis und Nietas Wohnung im Stadtviertel Copacabana und vertrieben uns dort die Zeit noch etwas mit dem ausprobieren eines Instrumentes das für Capoeira ( eine Art sportliche Tanz-Kampfkunst ) benutzt wird.
Als wir dann am Strand ankamen war es 5 Uhr, aber keinen hat's gestört. Wir haben auch wirklich die ganze Zeit nur Quatsch geredet und gemacht. Nachdem wir zurück in der Wohnung waren, wollte Luis uns eigentlich nach Hause bringen, aber erst haben wir wieder rumgestanden.
Nieta und Luis haben uns eine besondere Limettenart für Caipirinha gezeigt, dann gab es Paranüsse, denn Obacht:
"Zwei am Tag halten gesund!"

Danach haben wir noch Luis' Whiskey und verschiedene selbstgemixte Sachen probieren dürfen und viel Obst gegessen. Einfach schön! Später haben wir uns dann mit Luis und Nieta, Nietas Eltern und Valério und Joana (eine Schülerin von Luis) im Stadtteil St. Cristoval getroffen. Hier gibt es eine Art Vergnügungspark für brasilianische Musikliebhaber. Man bezahlt zwei Reais und hat auf 10 unterschiedlichen Bühnen Musik. Außerdem natürlich das obligatorische Shopping- Fressbuden Getüntel, aber ein riesen Gelände mit allen Möglichkeiten. Da haben wir es uns richtig gut gehen lassen und ich habe mit Beni zum Forró getanzt (!) Ein rund um gelungener Tag. Heute war alles ruhig. Wir haben geputzt, gekocht und Abends mit Joana und Valério gegessen. Gute Nacht.
...
Beni hier:
Beim Essen mit Valério und Joana entdeckten wir ein Problem in unserem Haus.
Wir hatten doch tatsaechlich einige Mitbewohner, von denen wir bis dato gar nichts wussten. Neben den ganz gewoehnlichen Ameisen, Mosquitos und sonstigen Stubenfliegen hatten es sich auch zwei schnuckelige Kakerlaken bei uns gemuetlich gemacht. Wir versuchten, sie vor die Tuer zu setzen, doch sie entwischten uns immer wieder unter irgendwelche Schraenke.





Wir gingen also erstmal schlafen und dachten, die kleinen Monster wuerden sich wohl von selbst verdruecken. Am naechsten Morgen waren auch keine Insekten mehr zu sehen.
Wir gingen zur Organisation, um Terezinha bei irgendetwas zu helfen. Es stellte sich heraus, dass sie mit uns den Innenhof des Hauses aufraeumen wollte.
Wir krempelten also die Aermel hoch und stuerzten uns richtig in die Arbeit, wie wir es von unseren Eltern gelernt und stets verinnerlicht haben. Anscheinend trafen wir damit gar nicht so recht Terezinhas Ordnungssinn. Wenn einer von uns irgendwelche Moebel verrueckte, um auch in der letzten Ecke (Danke Mama!) sauber zu machen, kriegten wir schnell ein "Das brauchen wir nicht!" zu hoeren.
Somit fegten wir letztendlich hier ein bisschen, wischten einen Quadratmeter des Hofs, fegten die Haelfte des Laubs zusammen und trugen kaputte oder alte Gegenstaende von einer Ecke in die andere. Jetzt herrschte wieder Ordnung.
Voellig erschoepft von dieser harten Arbeit gingen wir erstmal duschen. Da Sophia am Morgen eine Geigensaite gerissen war, fuhren wir mit Luis und Valério los, um neue zu kaufen. Natuerlich hielten wir auf halber Strecke erstmal wieder an, um essen zu gehen. Danach zeigte uns Luis noch sein Tonstudio, in dem er mit seinem Partner arbeitet. Er produziert hauptsaechlich Jingles fuer Radiospots, etc.
Irgendwann waren wir dann wirklich im Musikgeschaeft und kauften Geigensaiten. Ich nutzte die Gelegenheit, um noch ein paar Pleks zu kaufen. Jetzt haltet Euch fest: Ein Plek kostete mich in diesem brasilianischen Musikgeschaeft 3 Reais, also ungefaehr 1,50 Euro. Wir fuhren zurueck zur GEFEP, wo schon einige Schueler auf Luis warteten, der schon seit einer Stunde Unterricht geben sollte. Wir machten zusammen Musik und gingen danach nochmal essen. Als wir abends in unser Haeuschen zurueckkehrten bemerkten wir, dass die beiden Hausgaeste wohl Ihren Kumpels von diesem schoenen Ort erzaehlt hatten. Allein in der Kueche tummelten sich 5 Kakerlaken und in allen anderen Raeumen fanden wir mindestens eine. Da wir auch im Schlafzimmer etwas umherhuschen sahen, gingen wir rueber zum Haupthaus und schliefen eine Nacht auf den Sofas im Aufenthaltsraum. Am naechsten Tag, also gestern, machten wir uns zusammen mit Valério auf, eine neue Bleibe zu suchen. Er erzaehlte uns von einem Haus, in dem er schon fuer einige Monate gewohnt hatte. Als wir dort ankamen, war der Besitzer leider nicht zu Hause. Wir nahmen eine Telefonnummer mit und fuhren zurueck.
Abends fuhren wir mit Valério, Nieta und Luis erneut los, um das Haus aufzusuchen. Natuerlich machten wir auf dem Weg einen Zwischenstopp, um zu Abend zu essen. Es gab leckere Pizza und massig Caipirinha und Bier. Wir kamen irgendwann auch am Haus von Giovanni an. Er war da und nach kurzem Ueberlegen gab er uns ein Doppelzimmer fuer zu einem besonderen Freundschaftspreis. Da wir ueber Karneval bleiben , muessen wir ein bisschen mehr zahlen als gewoehnlich. Fuer umgerechnet ca. 1000 Euro koennen wir jetzt aber bis Ende Maerz hierbleiben. Juhuuu!
Unser neues Zuhause ist echt super! In diesem riesigen Haus haben ca. 20 Leute Platz, es gibt eine Gemeinschaftskueche und mehrere Baeder. Alles ist wirklich sauber und funktioniert auch noch. Giovanni arbeitet mit einer Organisation zusammen, die Freiwilligenarbeit an auslaendische Maedels vermittelt. So springen hier ungefaehr zehn ca. 19jaehrige Maedels aus England (hauptsaechlich), Norwegen, Argentinien, etc. herum. (Muito anstrengend)
Aber wir haben ja unser eigenes Zimmer, das sich einen grossen Balkon mit dem Zimmer teilt, in dem Giovanni und seine Freundin wohnen. Wir fuehlen uns nach den ersten zwei Tagen schon richtig zu Hause.








Heute sind wir nochmal zur GEFEP gefahren, um dem Masseur und Akkupunkteur und der Heilpraktikerin bei der Arbeit ueber die Schulter zu schauen. Da Terezinha uns zu 11:00 zum Projekt bestellt hatte, waren wir auch um diese Zeit vor Ort, um uns dann anzuhoeren, dass es besser sei, schon um zehn zu kommen. (Irgendwie verstehen wir viele Dinge nicht. Wir sind auch bis jetzt noch nicht dahinter gekommen, ob es am sprachlichen Defizit liegt oder ob die Leute hier wirklich keine Vorliebe fuer Logik haben.
Wir gingen dann auf jeden Fall in unser altes Heim. Leider war die Heilpraktikerin nicht da, da die Bruecke, die sie nach Rio Comprido fuehrt vom Regen weggespuelt wurde. Der Masseur erzaehlte uns aber eine Menge ueber das brasilianische Gesundheitssystem und ueber generelle politische Probleme Brasiliens. Das war mal wieder eine Hoechstleistung fuers Gehirn.




Haus des Projektes GEFEP

Favelas hinter der Rua Aureliano Portugal

Unser Balkon




Bevor wir nach Hause gefahren sind, haben wir dann noch ein Stuendchen mit Valério und Luis Musik gemacht. Zu Hause haben wir dann einfach nur noch abgespannt, gekocht und gefaulenzt. Jetzt ist der Tag schon wieder fast rum und morgen erwartet uns ein Tag am Strand der Copa Cabana. Abends werden wir dann am gleichen Ort zusammen musizieren.
Da wir jetzt wieder einen festen Wohnsitz haben, habe ich beschlossen, wieder taeglich Sport zu treiben. Heute hat das auch geklappt. Damit ich morgen wieder puenktlich um 6:00 aus den Federn komme, mache ich jetzt mal Schluss und gehe ins Bett. Gute Nacht!
Bis bald,
Sophia und Beni
endlich finden wir mal wieder die Zeit, ein paar Zeilen an Euch zu richten.
Ich (Sophia) weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.
Also:
Wir haben es schliesslich geschafft Terezinha anzurufen und haben noch am selben Tag (27.01.) das Projekt GEFEP zum ersten Mal besucht. Wir lernten die Räumlichkeiten und einige der Mitarbeiter kennen.
Das Projekt hat seinen Hauptsitz in der Rua de Aureliano Portugal im Stadtteil Rio Comprido in Rio de Janeiro. Die Strasse ist umringt von Favelas, in denen viele arme Menschen auf wenig Raum zusammenleben. Oft wohnen diese Leute in notdürftig zusammengebauten Häusern oder Hütten, die sie sich ohne Genehmigung bauen. Sie besitzen kein Grundstück oder Land und suchen sich einfach einen Platz, an dem sie bleiben können.
Die brasilianische Regierung hat bereits angefangen, an diesem Problem zu arbeiten, in dem sie den landlosen Menschen Gelder zur Verfügung gestellt hat. Aber speziell in den grossen Städten kann man das Wachstum der Gebiete schlecht kontrollieren.
Wir haben auch in Recife einen Stadtteil besichtigt, der Brasilia Teimosa genannt wird, was soviel bedeutet wie: dickköpfiges Brasilien. Die Menschen dort hatten ihre Häuser ohne Genehmigung gebaut, so dass die brasilianische Regierung sie abreißen ließ. Die Menschen aber bauten ihre Häuser einfach wieder auf, da sie keinen anderen Platz hatten oder kannten, an dem sie wohnen konnten. Die Polizei versuchte immer wieder, die Leute zu vertreiben, aber sie bauten solange Ihre Haeuser wieder auf, bis die Regierung schliesslich aufgab.
So ergab sich auch der Name des Stadtteils.
Aber zurück nach Rio:
Die Angebote des Projektes richten sich hauptsächlich an Menschen aus den genannten Favelas. Die Leiterin des Projektes, Terezinha, ist Sozialarbeiterin in Pension und koordiniert ehrenamtlich die verschiedenen Angebote.
Sie begleitet außerdem brasilianische Studenten, die nach Abschluss des theoretischen Teils ihres Studiums in eine zweijährige Praxisphase gehen. Sie treffen sich im Haus des Projektes und organisieren einzelne Projekte oder führen Nachbesprechungen durch.
Das Haus hat einen großen Aufenthaltsraum als Eingangsbereich. Dort gibt es viel Platz für große Treffen und Besprechungen. Hier ist auch der Arbeitsplatz von Terezinha. Im hinteren Untergeschoss findet man einen Raum voller Klamotten, die für einen Basar gesammelt werden, durch den die Organisation Geld für ihre Projekte sammelt. Außerdem gibt es eine Küche und draussen einen Innenhof. Hier werden auch Kurse mit den Gitarrenschülern abgehalten, erklärte uns Luis, der einer der Gitarrenlehrer ist. Im ersten Stock des Hauses befinden sich noch mehr Unterrichtsräume. Auf der linken Seite ein Raum mit Computern, die von den Kindern zum arbeiten mit Noten, aber auch in ihrer Freizeit genutzt werden können. Dahinter ist ein kleines Büro von Luis, mit seinen Instrumenten. Er lagert hier verschiedene E- Gitarren, klassische Gitarren, Trommeln und Blasinstrumente. Das Projekt ist ein Standpunkt des Ponto de Cultura, der vom brasilianischen Kultusminister mit Geldern unterstützt wird. Der aktuelle brasilianische Kultusminister Gilberto Gil ist selbst Musiker und investiert in Projekte, die brasilianische Musik und Kultur vermitteln.
Neben Luis Büro liegt ein Raum, der weitgehend leer ist, da er für Tanzstunden, aber auch zum Zusammenspiel vieler Musiker dient. Man hat hier den Raum, größere Gruppen von Schülern zu unterrichten oder auch mal einen großen Gitarrenverstärker anzuschliessen. Weiterhin gibt es noch Räume zum künstlerischen Arbeiten und zum unterrichten.
Im Hinterhof befindet sich auch noch ein kleines Studio, das die Teilnehmer günstig mieten können, um hier eigene Musik aufzunehmen und Videos dafür zu schneiden. Dort präsentierte uns am ersten Tag auch direkt ein Jugendlicher ein selbst produziertes Video, zu dem er die Musik geschrieben und aufgenommen hatte. Das Ergebnis ist ihm wirklich gut gelungen.
Wir lernten auch Valério kennen, der aus Italien kommt, auch Musiker ist und freiwillige Arbeit als Klavierlehrer und Mädchen für alles im Projekt leistet.
Da in Brasilien noch bis zum 6 Februar Sommerferien sind, wurden im Haus keine Kurse gegeben. Am Samstag Morgen gibt Luis aber Gitarrenunterricht und wir verabredeten uns, um Musik zu machen. Wir trafen dann einige seiner Schüler. Es waren erst Gitarrenschüler da, die gerade den Blues lernten als wir ankamen. Beni und Ich spielten dann auch einen unserer Songs und setzten uns danach mit zwei Akkordeonschülern, drei Sängern und Sängerinnen, Trommlern, Valério, der Keybord spielte und Luis, der zwischen Querflöte, Gitarre und Bass hin und her wechselte zusammen.
Wir lernten ein paar traditionelle brasilianische Musikrichtungen kennen, wie zum Beispiel Forró, Samba und Bossa Nova. Die Stücke, die wir gespielt haben waren wirklich interessant und ganz anders als das, was wir aus Deutschland kennen. Vor Allem finden wir es schön, dass hier auch viele junge Menschen sich mit traditionell brasilianischer Musik beschäftigen und sich mit ihr verbunden fühlen. Die Stücke der einzelnen Musikrichtungen sind vergleichbar mit deutscher Folklore oder den Stücken deutscher Liedermacher wie Hannes Wader oder Reinhard Mey, nur viel bekannter und beliebter.
So haben wir den ganzen Samstag Vormittag zusammengesessen, gespielt, improvisiert und gelernt. Beni und ich durften auch noch ein paar Stücke unserer Band GoodNightFolks und einige Eigenkompositionen präsentieren, die den Anderen gut gefallen haben.
Neben der ganzen Arbeit hatten wir natürlich auch noch ein bisschen Zeit für Vergnügungen ;) So waren wir am Freitag mit Luis einkaufen und sind Essen gegangen und die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Also liefen wir, sowieso schon sehr albern, durch den Supermarkt, als auf einmal ein Mitarbeiter des Supermarktes angefangen hat Preise und Angebote singend vorzutragen.
Er war hörbar fröhlich und sang sehr vergnügt von günstigen Preisen.
Ich hab mich halb tot gelacht. Danach waren wir mit Luis und seiner Freundin Nieta in einer Bar an der Copacabana in der es ca. 20 verschiedene Sorten Bier gab , auch ein paar deutsche!!
Es gab Leckeres Franziskaner und Erdinger, was hier sehr beliebt ist.
Beni hat dann sein Murphys genossen, was natürlich zu einer interessanten Diskussion über die Stickstoffkugel in der Dose (gezapft wurde natürlich nicht) geführt hat.(Was heisst eigentlich "Stickstoff" auf portugiesisch?!!) Nieta hat die Dose dann als Andenken mitgenommen.
Da es in Rio im Moment wirklich unglaublich heiß ist, haben wir noch einen Abstecher ans Meer gemacht, also DAS Meer an DER Copacabana.
Jeden Tag sind es jetzt mindestens 40 Grad und abends kühlt es dann auf erträgliche 31/32 Grad ab.
Das ist echt eine krasse Hitze, bei der selbst ich bei jeder Bewegung schwitze. Beni hat sich direkt total erkältet, weil wir am Donnerstag mit Terezinha in einer Shopping Mal mit Air Condition waren. Es ist kaum zu glauben, wie doll die Luft darin abgekühlt wird. Ich weiß, dass 20 Grad nicht kalt sind, aber wenn man völlig verschwitzt aus dem 40 Grad heißen Rio kommt...tja jetzt läuft Beni die Nase in der größten Hitze.
Nach dem Musik machen am Samstag sind wir dann los, um zum Strand zu fahren, das heißt wir wollten erst kurz was essen. Dazu muss ich erklären, dass wir mittlerweile festgestellt haben, dass in Brasilien alles ungefähr so läuft, als ist man gerade am Ende eines schönen Familientreffens und jeder steht schon, aber keiner will so recht los.
So standen wir noch lange Zeit im Haus des Projektes, probierten dieses und jenes Instrument aus, jamten rum, Beni und ich holten unsere Sachen und prompt standen die Jungs in der Küche rum, weil sie vor lauter Hunger erstmal Kaffee gekocht haben. Dann waren wir was essen und es gab aber erst noch lecker Nachtisch. Nach dem Bezahlen bestellte Luis "noch eben" drei Cafezinhos und wir standen vorn an der Kasse rum. Jetzt fuhren wir zu Luis und Nietas Wohnung im Stadtviertel Copacabana und vertrieben uns dort die Zeit noch etwas mit dem ausprobieren eines Instrumentes das für Capoeira ( eine Art sportliche Tanz-Kampfkunst ) benutzt wird.
Als wir dann am Strand ankamen war es 5 Uhr, aber keinen hat's gestört. Wir haben auch wirklich die ganze Zeit nur Quatsch geredet und gemacht. Nachdem wir zurück in der Wohnung waren, wollte Luis uns eigentlich nach Hause bringen, aber erst haben wir wieder rumgestanden.
Nieta und Luis haben uns eine besondere Limettenart für Caipirinha gezeigt, dann gab es Paranüsse, denn Obacht:
"Zwei am Tag halten gesund!"
Danach haben wir noch Luis' Whiskey und verschiedene selbstgemixte Sachen probieren dürfen und viel Obst gegessen. Einfach schön! Später haben wir uns dann mit Luis und Nieta, Nietas Eltern und Valério und Joana (eine Schülerin von Luis) im Stadtteil St. Cristoval getroffen. Hier gibt es eine Art Vergnügungspark für brasilianische Musikliebhaber. Man bezahlt zwei Reais und hat auf 10 unterschiedlichen Bühnen Musik. Außerdem natürlich das obligatorische Shopping- Fressbuden Getüntel, aber ein riesen Gelände mit allen Möglichkeiten. Da haben wir es uns richtig gut gehen lassen und ich habe mit Beni zum Forró getanzt (!) Ein rund um gelungener Tag. Heute war alles ruhig. Wir haben geputzt, gekocht und Abends mit Joana und Valério gegessen. Gute Nacht.
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Beni hier:
Beim Essen mit Valério und Joana entdeckten wir ein Problem in unserem Haus.
Wir hatten doch tatsaechlich einige Mitbewohner, von denen wir bis dato gar nichts wussten. Neben den ganz gewoehnlichen Ameisen, Mosquitos und sonstigen Stubenfliegen hatten es sich auch zwei schnuckelige Kakerlaken bei uns gemuetlich gemacht. Wir versuchten, sie vor die Tuer zu setzen, doch sie entwischten uns immer wieder unter irgendwelche Schraenke.
Wir gingen also erstmal schlafen und dachten, die kleinen Monster wuerden sich wohl von selbst verdruecken. Am naechsten Morgen waren auch keine Insekten mehr zu sehen.
Wir gingen zur Organisation, um Terezinha bei irgendetwas zu helfen. Es stellte sich heraus, dass sie mit uns den Innenhof des Hauses aufraeumen wollte.
Wir krempelten also die Aermel hoch und stuerzten uns richtig in die Arbeit, wie wir es von unseren Eltern gelernt und stets verinnerlicht haben. Anscheinend trafen wir damit gar nicht so recht Terezinhas Ordnungssinn. Wenn einer von uns irgendwelche Moebel verrueckte, um auch in der letzten Ecke (Danke Mama!) sauber zu machen, kriegten wir schnell ein "Das brauchen wir nicht!" zu hoeren.
Somit fegten wir letztendlich hier ein bisschen, wischten einen Quadratmeter des Hofs, fegten die Haelfte des Laubs zusammen und trugen kaputte oder alte Gegenstaende von einer Ecke in die andere. Jetzt herrschte wieder Ordnung.
Voellig erschoepft von dieser harten Arbeit gingen wir erstmal duschen. Da Sophia am Morgen eine Geigensaite gerissen war, fuhren wir mit Luis und Valério los, um neue zu kaufen. Natuerlich hielten wir auf halber Strecke erstmal wieder an, um essen zu gehen. Danach zeigte uns Luis noch sein Tonstudio, in dem er mit seinem Partner arbeitet. Er produziert hauptsaechlich Jingles fuer Radiospots, etc.
Irgendwann waren wir dann wirklich im Musikgeschaeft und kauften Geigensaiten. Ich nutzte die Gelegenheit, um noch ein paar Pleks zu kaufen. Jetzt haltet Euch fest: Ein Plek kostete mich in diesem brasilianischen Musikgeschaeft 3 Reais, also ungefaehr 1,50 Euro. Wir fuhren zurueck zur GEFEP, wo schon einige Schueler auf Luis warteten, der schon seit einer Stunde Unterricht geben sollte. Wir machten zusammen Musik und gingen danach nochmal essen. Als wir abends in unser Haeuschen zurueckkehrten bemerkten wir, dass die beiden Hausgaeste wohl Ihren Kumpels von diesem schoenen Ort erzaehlt hatten. Allein in der Kueche tummelten sich 5 Kakerlaken und in allen anderen Raeumen fanden wir mindestens eine. Da wir auch im Schlafzimmer etwas umherhuschen sahen, gingen wir rueber zum Haupthaus und schliefen eine Nacht auf den Sofas im Aufenthaltsraum. Am naechsten Tag, also gestern, machten wir uns zusammen mit Valério auf, eine neue Bleibe zu suchen. Er erzaehlte uns von einem Haus, in dem er schon fuer einige Monate gewohnt hatte. Als wir dort ankamen, war der Besitzer leider nicht zu Hause. Wir nahmen eine Telefonnummer mit und fuhren zurueck.
Abends fuhren wir mit Valério, Nieta und Luis erneut los, um das Haus aufzusuchen. Natuerlich machten wir auf dem Weg einen Zwischenstopp, um zu Abend zu essen. Es gab leckere Pizza und massig Caipirinha und Bier. Wir kamen irgendwann auch am Haus von Giovanni an. Er war da und nach kurzem Ueberlegen gab er uns ein Doppelzimmer fuer zu einem besonderen Freundschaftspreis. Da wir ueber Karneval bleiben , muessen wir ein bisschen mehr zahlen als gewoehnlich. Fuer umgerechnet ca. 1000 Euro koennen wir jetzt aber bis Ende Maerz hierbleiben. Juhuuu!
Unser neues Zuhause ist echt super! In diesem riesigen Haus haben ca. 20 Leute Platz, es gibt eine Gemeinschaftskueche und mehrere Baeder. Alles ist wirklich sauber und funktioniert auch noch. Giovanni arbeitet mit einer Organisation zusammen, die Freiwilligenarbeit an auslaendische Maedels vermittelt. So springen hier ungefaehr zehn ca. 19jaehrige Maedels aus England (hauptsaechlich), Norwegen, Argentinien, etc. herum. (Muito anstrengend)
Aber wir haben ja unser eigenes Zimmer, das sich einen grossen Balkon mit dem Zimmer teilt, in dem Giovanni und seine Freundin wohnen. Wir fuehlen uns nach den ersten zwei Tagen schon richtig zu Hause.
Heute sind wir nochmal zur GEFEP gefahren, um dem Masseur und Akkupunkteur und der Heilpraktikerin bei der Arbeit ueber die Schulter zu schauen. Da Terezinha uns zu 11:00 zum Projekt bestellt hatte, waren wir auch um diese Zeit vor Ort, um uns dann anzuhoeren, dass es besser sei, schon um zehn zu kommen. (Irgendwie verstehen wir viele Dinge nicht. Wir sind auch bis jetzt noch nicht dahinter gekommen, ob es am sprachlichen Defizit liegt oder ob die Leute hier wirklich keine Vorliebe fuer Logik haben.
Wir gingen dann auf jeden Fall in unser altes Heim. Leider war die Heilpraktikerin nicht da, da die Bruecke, die sie nach Rio Comprido fuehrt vom Regen weggespuelt wurde. Der Masseur erzaehlte uns aber eine Menge ueber das brasilianische Gesundheitssystem und ueber generelle politische Probleme Brasiliens. Das war mal wieder eine Hoechstleistung fuers Gehirn.
Haus des Projektes GEFEP
Favelas hinter der Rua Aureliano Portugal
Unser Balkon
Bevor wir nach Hause gefahren sind, haben wir dann noch ein Stuendchen mit Valério und Luis Musik gemacht. Zu Hause haben wir dann einfach nur noch abgespannt, gekocht und gefaulenzt. Jetzt ist der Tag schon wieder fast rum und morgen erwartet uns ein Tag am Strand der Copa Cabana. Abends werden wir dann am gleichen Ort zusammen musizieren.
Da wir jetzt wieder einen festen Wohnsitz haben, habe ich beschlossen, wieder taeglich Sport zu treiben. Heute hat das auch geklappt. Damit ich morgen wieder puenktlich um 6:00 aus den Federn komme, mache ich jetzt mal Schluss und gehe ins Bett. Gute Nacht!
Bis bald,
Sophia und Beni

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