Dienstag, Januar 18, 2011

Ok , weiter geht's!

Bereit für Runde zwei?
Der Trip nach Joao Pessoa ist nun vorbei und wir blicken zurück auf
anstrengende Tage! In Joao Pessoa haben wir erstmal ewig gebraucht um Rejanis Whg. Zu
finden. Luciano und Nadine haben dann irgendwann einen Taxifahrer bezahlt, der vorfuhr und ihnen den Weg gezeigt hat. Angekommen bei Rejani gab's natürlich lecker Abendessen. Ihre Wohnung befand sich in einer Wohnanlage: also ein Hochhaus mit eigenem Piscina (Pool) und Wachmann. Für brasilianische Verhältnisse lebt sie also auf einem sehr hohen Niveau. Leider war ihre Einstellung bzw. Persönlichkeit auch
dementsprechend. Alles wurde nach ihren Vorstellungen gemacht, ohne Widerrede und ohne unsere Meinung einzuholen. Es musste sofort und jetzt passieren und wenn sie in einer Diskussion eine Meinung hatte ließ sie sich nicht davon abbringen, egal ob richtig oder falsch. Regeln hatten für sie oberstes Gebot, so zitierte sie Beni und mich erst unter die Dusche bevor wir in den Pool steigen durften. Am ersten Tag lagen wir also morgens am Pool und sie verschwand um halb 12 um zu kochen. Nachmittags wollten Beni und ich eigentlich Musik machen, aber Luciano schlug vor mit Rejanis Sohn Surfen zu lernen. Also zack, Agora, Agora ins Auto und los zum Strand. Dort sollten dann auf einmal nur noch Beni und ich Unterricht nehmen...Luciano Kniff, Nadine wollte nicht und Rejani pflanzte sich in einen Stuhl um uns zuzusehen. Super! Da wir uns aber ja nicht ärgern lassen, haben wir dann natürlich die Wellen ordentlich gerockt und die anderen vergessen als wir auf den
Brettern standen! Beni und ich fragen uns langsam, ob es hier normal ist, alles schnell und ohne zu genießen hinter sich zu bringen: nach dem Surfen ging es
zack nass ins Auto: Sonnenuntergang schauen! Wir erwarteten einen gemütlichen Ort stattdessen ging's in die nächste vollgestopfte Tourimeile. Als wir dann an einem Platz mit Aussicht angekommen waren, scheuchte uns Rejani auf, da es, wie sie meinte gleich regnen würde. Wir gingen verärgert mit, um dann festzustellen , dass sie auf
den nächsten Essensstand zusteuerte und sich dort niederliess. Da sind Beni und ich erstmal genervt zurück und haben in Ruhe den Ausblick genossen. Mannoman, geniessen wird hier nicht grossgeschrieben.
Am nächsten Abend kamen Freunde von Ihr zu Besuch. Dieter ( ein deutscher Rentner aus Nürnberg) und Gorette ( seine brasilianische Freundin).Wir gingen zusammen essen, was bedeutet: wir gingen in die nächst gelegene Shopping Mall um dort bei Pizza Hut dank der Klimananlage fast zu erfrieren. Rejani hat so ziemlich den ganzen
Abend schmollend neben uns gesessen und nichts gesagt . Luciano erzählte uns später, sie fühlte sich angegriffen von Dieter, weil er ihr gesagt hatte, das sie keine Deutschlehrerin sein könnte ohne deutsch zu sprechen. Also, wie man sieht, ist sie einfach ziemlich komisch. Nach dem Essen hat sie dann einen Aufstand gemacht, weil
Pizza Hut einen Reais für ein soziales Projekt mit auf die Rechnung gesetzt hat. (Wenn man bedenkt, dass allein ihre Nebenkosten im Monat 450 Reais, also ca. 200€ betragen, naja)Echt unglaublich: danach wollte sie für Dieter und Gorette, die nur
200 m vom Shopping Center entfernt wohnen, aus Angst sie könnten überfallen werden ein Taxi rufen. Sie ließ sich nicht davon abbringen bis die beiden einfach tschüss gesagt haben und gegangen sind. Ich weiß gar nicht, ob ich von heute erzählen will...weil wir alle einfach nur noch weg wollten. Problem: die Wunde meiner Weisheitszahn-Op ist immernoch nicht verheilt. Luciano hatte ihr davon erzählt und so kam sie zu mir und sagte: nach dem Frühstück gehen wir zu meinem Zahnarzt!
Ich wies darauf hin das ich einen Arztbesuch im Ausland mit meiner Versichrung absprechen muss, also einmal kurz anrufen. Dann sie: Nein in Brasilien funktioniert das anders... Ich will das jetzt nicht weiter ausführen, aber es gab keinen Weg ihr zu erklären, dass ich bei meiner Versicherung anrufen möchte, Mann bin ich froh, dass wir da weg sind!! Wir haben nach mehrstündigem diskutieren die Versicherung
angerufen und sind beim Zahnarzt gewesen. Auch eine interessante Erfahrung. Eine nette Zahnärztin mit goldenen Flip Flops, Strandkleid unterm Kittel und vielen kleinen Heiligenfiguren im Behandlungszimmer. (Achja, der Zahnarzt war übrigens auch in der Shopping Mal. Es gab dort sogar eine Fakultät...) Jetzt sitzen wir im Auto zurück nach Recife und ich bin gespannt wie der Abend endet.. Hoffentlich nicht im Stress! Jetzt erzählt der Beni mal weiter:
Naja, im richtigen Stress ist der Tag dann nicht geendet. Eher im Semistress. Wir kamen erst gegen 20:00 in Recife an und hatten mal wieder Schwierigkeiten eine Unterkunft zu finden. Nicht unüblich zur Hochzeit des Tourismus (Sommerferien in ganz Brasilien). Nach drei Stunden vergeblicher Suche eröffnete Luciano uns die Möglichkeit, in ein Stundenhotel zu fahren. In Brasilien gibt es viele dieser
Etablissements, da in den meisten Familien zwei bis drei Generationen auf engstem Raum zusammenleben und die Privatsphäre für romantische oder schmutzige Stunden nicht gegeben ist.
Wir fuhren also hin. Der Eingang war ein automatisches Garagentor neben dem ein verdunkelter Glaskasten stand, aus dem eine Hand zwei Schlüssel reichte. Hinter dem Tor sah es aus wie in einer Tiefgarage. Eine Autobox neben der anderen. Eine Wendeltreppe führte direkt ins Zimmer, das uns wirklich überraschte. Es war das schönste Zimmer, das wir bisher hatten. Es war groß, sehr sauber und wir sahen zum ersten mal seit unserer Ankunft in diesem Land wieder eine Klobrille aus Keramik. (Standard ist Plastik) Lediglich ein paar Kleinigkeiten ließen durchblicken, wozu dieses Zimmer gedacht war. Das Bett war leicht erhöht, ein großer Spiegel zierte die Wand, ein Vibrator und Kondome lagen auf dem Nachtschrank bereit und wenn man Fernseher oder Radio einschaltete, bekam man Pornomusik oder -filme zu hören/sehen.
Das Personal war sehr diskret. Das Frühstück, welches wirklich üppig und lecker war, wurde durch eine Schleuse in der Wand gereicht, so dass man mit niemand außer dem Zimmergenossen in Kontakt treten musste. Dieser gesamte Luxus kostete uns 47 Reais, also weniger als 25€ - Wahnsinn! Der nächste Tag fing somit fantastisch an und ging auch genauso weiter. Wir fuhren zu unserem Lieblingshotel, in dem wir auch die
ersten Tage in Recife verbracht hatten. Hier waren soeben zwei Doppelzimmer frei geworden. Wir machten uns ein bisschen frisch und fuhren zur Turma do Flau, der "Eisgruppe", einem Sozialprojekt, das Luciano schon als Kind besucht hat und in dem er später als Erzieher gearbeitet hat. Den Namen hat die Gruppe ihrem ursprünglichen Konzept zu verdanken. Um die Kinder und Jugendlichen von der Straße, den Drogen und der Kriminalität fern zu halten, gab ihnen Schwester Aurieta, die Leiterin des Projekts, die Möglichkeit, Speiseeis herzustellen und dieses zu verkaufen. Nun ist mittlerweile in ganz Brasilien die Kinderarbeit verboten, dementsprechend verkaufen die Kinder kein Eis mehr, sondern werden in verschiedenen Bereichen gefördert. Es gibt Hausaufgabenhilfe, Musikunterricht und jede Menge Tanz und Theater, vor allem zum Karneval. Da die Kinder jetzt Ferien haben, wird nicht gelernt, sondern Hauptsächlich Spiel- und Spaßprogramm angeboten.
Wir bekamen eine Führung durch die Einrichtung und Aurieta erzählte uns von den zahlreichen Projekten und Veranstaltungen, die sie unterstützt oder selbst ins Leben gerufen hat. Sie kämpft gegen Kinderarbeit, häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch und alles andere, was schlecht ist. Besonders berührte uns die Gedenktafel, an der ein Kreuz für jedes Kind hängt, das aufgrund der Lebensbedingungen gestorben ist.



Ein Kind starb an einem Stromschlag, da eine schlecht isolierte Stromleitung während eines starken Regens auf die Straße hing. Ein anderes Kind wurde von einem Ex-Polizisten erschossen, da es eine Kleinigkeit aus einem Laden gestohlen hatte, ein weiteres starb, weil es diesen Mord gesehen hatte. Solche Fälle sind hier keine Seltenheit.
Wir durften nun einer Probe der Tanztheatergruppe beiwohnen, die sich schon auf den Rosenmontag vorbereitet. Der Musiklehrer erzählte uns, dass die Kinder hochmotiviert sind, da der Bürgermeister von Recife, als Belohnung für einen guten Auftritt, zwei Reisebusse für einen Tagesausflug versprochen hat.
Wir durften noch zum Mittagessen bleiben und durften deutsche Lieder vorspielen (Segne, Vater diese Gaben) Außerdem sangen wir: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind und auf portugiesisch: Onde dois ou Tres sao reuniao in meu nome.





Wir stellten uns auch auf brasilianisch vor, woraufhin die Kinder völlig ausflippten und uns mit Applaus und Geschrei antworteten. Nach dem Essen musizierte ich noch mit einigen der Kinder.
Ich spielte "The Lion Sleeps Tonight" und sah in 10-15 total verdutzte Gesichter, da offensichtlich niemand dieses Lied kannte - verrückte Welt!
Während der gesamten Zeit hatte jeder von uns mindestens ein Kind an der Hand, auf den Schultern, im, auf oder unter dem Arm.




Wir waren eine ziemliche Attraktion und manch kleiner Mensch vergoss ein paar Tränen, als wir die Einrichtung wieder verließen. Die kleinen waren so süß, wir hätten am liebsten ein paar von ihnen mitgenommen, vor allem, wenn man bedenkt, was sie hier teilweise durchmachen müssen.




(ab hier erzählt Sophia)
Abends wollten wir zu einem Konzert auf dem Plaia de San Pedro, also eigentlich Petersplatz ;) Dort sollte eine lokale Berühmtheit aus Pernambuco, der Bundesstaat dessen Hauptstadt Recife ist, auftreten.
Wir waren auch relativ zeitig da und trotzdem war der kleine Platz schon total voll. Wir warteten auf den Beginn und immer mehr Menschen strömten auf den Platz, den man nur durch vier kleine Gassen verlassen konnte. Es wurde heftig gedrängelt und geschubst. Schließlich kamen die Musiker auf die Bühne, aber es ging noch lang nicht los. Es wurde sichtbar diskutiert, Tontechniker rannten über die Bühne, irgendetwas
funktionierte nicht, dann gab es einen kleinen Soundcheck und es hörte sich immernoch komisch an. Überall waren Kameras aufgebaut, da eine DVD aufgezeichnet werden sollte.
Wir warteten weiter und standen uns die Beine in den Bauch. Luciano schaffte es sogar zweimal, eine Flasche Bier beim Kellner aus dem angrenzenden Lokal zu bestellen, obwohl ca 20 Leute gleichzeitig schrien : "Oi Amigo!!"
Dann kam endlich der Künstler auf die Bühne. Er trug etwas, das ein bisschen so aussah wie das Kleid was Homer Simpson sich in der Folge kauft, als er der dickste Mann in Springfield wird und nur noch von zu Hause aus arbeitet. (als er auch den Holzvogel kauft, der für ihn immer auf die Yes Taste des Computers drückt und damit das Atomkraftwerk zerstört)Der Künstler spielte dann nur brasilianische Karnevalsmusik, was vllt. noch schön gewesen wäre, wenn gute Tontechniker am Werk gewesen wären.
Dauernd fiepte laut die Rückkopplung und zu hören waren aus dem dumpfen Gebräu nur Bass und Schlagzeug. Selbst Luciano hat die Worte des Sängers nicht verstanden. Irgendwann hatten wir die Nase voll und beschlossen lieber noch was trinken zu gehen.
Wie sich 10 min später herausstellte, hatten wir uns genau im richtigen Moment entschlossen zu gehen. Wir schafften es mit Mühe und Not den Platz durch eine enge Gasse zu verlassen, ohne zerquetscht zu werden und als wir gerade wieder atmen konnten, setzte ein Regenschauer ein. Plötzlich fingen alle an zu rennen und zu drängeln und wir waren froh, dem größten Tumult entronnen zu sein.
Danach fuhren wir mit dem Taxi in eine schöne Bar. Dort trafen sich gerade etliche Brasilianer, um das Finale einer Telenovela zu schauen.
Da überall große Flatscreens hingen, erlebten wir ( unter Jubel und Geklatsche der Gäste ), wie die weibliche Hauptperson einen unsympathischen alten Mann verführte, um ihn danach mit einem großen Messer zu ermorden. Total verrückt.
In der Bar stand außerdem eine gläserne Vitrine neben unserem Tisch, an der sich die Gäste lebende Krebse ( ca Tellergroß) aussuchen konnten, die dann frisch zubereitet wurden. Der große Aufruhr unter den Krebsen, wenn der Kellner mit der Zange kam und der Gast mit dem Finger zeigte, welchen er verspeisen wollte, fand ich ( Sophia) echt
gruselig.
Am nächsten Tag verabredeten wir einen Strandtag am Porta de Galinhas (einer der letzten Häfen, in dem der Sklavenhandel auch nach offiziellem Verbot aufrecht Erhalten wurde/ wörtlich übersetzt: Strand der Hähnchen, weil die Sklavenhändler nicht offen von der Ankunft neuer Sklaven reden konnten, Sprachen sie von frischen Hähnchen) Heute ein ziemlicher Touri-ort. Nachdem wir uns niedergelassen hatten,
bestellten wir etwas zu essen und gingen im wirklich ultraklaren, türkisen Wasser baden.
Danach wurde es unschön. Die Strandverkäufer brachten uns einen kleinen Fisch und eine Portion Pommes, was laut Verkäufer für drei Personen reichen sollte. Vorallendingen sollte es 60 Reais, also ca 30 € kosten.
Als wir uns beschwerten, artete es aus. Leider konnten wir zu wenig portugiesisch, um mitzureden. Ich hörte nur, wie Luciano anfing immer wieder policia zu sagen und dann ohne ein Wort davonrannte. Er ließ uns dort mit den 5 Verkäufern allein, die immer wieder zu uns kamen und uns erklärten, wir hätten ein Problem, wenn wir nicht bezahlen würden.
Wir warteten dann bestimmt eine Stunde bis Luciano zurückkam und er hatte doch tatsächlich zwei Militärpolizisten gefunden und sie überredet, ihm an den Strand zu folgen....Die Beiden waren nach brasilianischer Manier mit kugelsicherer Weste, Springerstiefeln, und mehreren Waffen ausgestattet und ich wäre am liebsten im Boden
versunken. Der eine Polizist fing dann auch noch an, den Strandverkäufer zu beschimpfen und wegzuschubsen und ich fragte mich immer wieder, ob es nicht möglich gewesen wäre, eine andere Lösung zu finden OHNE die Militär Polizei einzuschalten!!
Luciano erwirkte, dass wir die Hälfte bezahlten und für mich war der Nachmittag gelaufen! Wir haben dann schnell die Kurve gekratzt, da wir natürlich den Zorn der gesamten Verkäuferbande auf uns gezogen hatten.
Zum Glück fanden wir dann schnell ein gutes portugiesisches Restaurant, dessen Chefkoch mich sehr an Anthony Bourdain erinnerte, und speisten vorzüglich.
Gestern haben wir dann erstmal einen faulen Tag eingeschoben. Wir haben bis mittags im Hotel rumgeluemmelt, waren dann ein bisschen am Strand und sind abends noch essen gegangen. Unser neues Lieblingslokal hat sogar Live-Musik geboten.





Heute ist auch nicht viel mehr passiert, da allein ca. 4 Stunden dafuer raufgegangen sind, unser Busticket nach Salvador zu besorgen. Hier in Recife kann man Tickets fuer die Ueberlandbusse nur am Busbahnhof kaufen, der ungefaehr 50min Bus- und Bahnfahrt von unserem Hotel entfernt ist.
Jetzt haben wir unsere Tickets und koennen uns noch zwei schoene Tage am Strand machen. Wir melden uns bald wieder, um Bescheid zu geben, ob wir in Salvador angekommen sind.


Bis dahin,

Sophia und Beni