Freitag, Januar 28, 2011

Hallo Freunde,
 
ihr habt lange nix mehr von uns gehoert.
 
Das liegt daran, dass wir in letzter Zeit nur sehr selten Internet hatten und einfach nicht die Zeit gefunden haben, um zu schreiben.
 
Man erlebt hier einfach zu viel! Freizeitstress pur!
 
Hier also die aktuellsten Eintraege unseres Reisetagebuchs:

Heute (19.01.) liegen wir sehr kaputt in der Wohnung von Lucianos Schwester Waldegleçe (gesprochen: Waudegleßi) Gestern hat sie Geburtstag gefeiert, aber ich erzähle mal von Anfang an. Am Montag den 17.01 sind wir Abends schick essen gewesen. Waldegleçe hat ja am 18. Geb. und Luciano lud sie zum Essen ein. Wir waren in einem Rodizio Restaurant, was bedeutet, dass die ganze Zeit Kellner mit den leckersten Fleischspezialitäten am Churrasco ( Schuhasco ) Spieß herumlaufen. Man bezahlt umgerechnet 15 € und kann Buffet plus unendlich Fleisch essen. Da haben wir uns richtig den Bauch vollgeschlagen! Danach sind wir auf ein Fest für die Polizisten in Pina ( Stadtteil von Recife) Eigentlich eine Party wie jede andere, außer dass die meisten Leute die dort draußen rumsaßen Polizisten waren. Sie waren nicht etwa gesitteter oder weniger betrunken! Wir haben dort in Waldegleçes Geb reingefeiert und sind dann bald nach Hause, weil wir uns am nächsten Morgen zum einkaufen für die Party verabredet hatten. Morgens sind wir dann zusammen auf den Markt, haben Früchte und Gemüse, Fleisch und Fisch eingekauft. Wir sind Waldegleçe zu jedem Stand hinterhergehetzt , es war brüllend heiß und alle zwei Meter hat einem ein Verkäufer seine Ware ins Ohr geschrien. Natürlich verkaufen dort die Meisten ohne Ende Tüntel.



Dann zurück zum Haus von Lucianos Familie, wo seine Mutter, seine ältere Schwester, seine kleine Schwester mit dem 4 Mon alten Piedro und Waldegleçe mit drei Jungs von 10, 7 und 2 Jahren in einem Mini Haus zusammen wohnen.
Die Frauen haben gekocht und wir haben die meiste Zeit mit einem 88 jährigem Mann und seinem etwas jüngeren Freund vor seinem Haus gesessen und Cachassa getrunken. Er trank den Cachassa mit einer kleinen gelben Frucht, die irgendwie Siringuella hieß, oder so. Auf jeden Fall eine gute Kombination. Und dann ging's richtig rund. Auf einmal gabs Essen ,kaltes Bier und ohne Ende Caipirinha! Was auch unsern Kater erklärt.




Beni schläft neben mir, weil ihm ziemlich übel ist und ich schreibe mit Kopfschmerzen. Es war aber auch echt gut gestern Abend. Viele Leute, von denen auch einige deutsch konnten, aber es sind auch viele nette Gespräche auf portugiesisch zu Stande gekommen. Nadine, Lucianos Frau, ist gestern Abend wieder nach Hause geflogen und betritt in ein paar Stunden schon wieder kalten deutschen Boden ;) Hier im Schlafzimmer von Waldegleçe riecht es die ganze Zeit nach frischem Brot und/oder Kuchen. Irgendwo in der Nähe muss wohl eine Bäckerei sein. Gleich werden wir versuchen nach Hause zu telefonieren und danach unsere Fahrt nach Salvador antreten. Der Bus wird 12 Stunden unterwegs sein, mal schaun, wie das wird!
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Guten morgen! Hier spricht Beni. Es ist 7:00. Die Nacht ist um. Wir haben sie in einem Überlandbus verbracht, der im großen und ganzen sehr gemütlich ist. Wir mussten lediglich zum ersten Mal von unseren Pullovern Gebrauch machen, da das Fahrzeuginnere zeitweise auf 16 Grad runtergekühlt wurde. Die Toilette war dafür eine waschechte Finnensauna. Das Wasser war kochend heiß, was zum einen das Händewaschen interessanter gemacht, zum anderen das Abspülen der Toilette in ein türkisches Dampfbad verwandelt hat. Gleich erreichen wir Salvador. Bis dann!
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Hallo, Sophia hier!
Der Bus war wirklich komfortabel! Es gab ausklappbare Beinablage-Fächer, die Lehne konnte man weit zurück stellen aber trotz alledem: es war halt immer noch ein Bus. Die Nacht war doch anstrengend und zum Glück hat dann heut Morgen alles direkt geklappt. Wir haben ein Hostel in Strandnähe für zwei Tage und direkt Tickets zur Weiterfahrt gebucht. Das Hostel ist wirklich schön und es hat sogar eine Waschmaschine! ( Haben heute erstmal Ariel gekauft, damit es so riecht wie bei den Mamas ;) )
Ansonsten war das, was wir von Salvador bis jetzt gesehen haben irgendwie enttäuschend. Wir sind in der cidade baixa ( Unterstadt ), also etwas weiter weg vom Centrum, die auch ihre Attraktionen hat.


Der Strand war leider voller Müll, den es hier in Brasilien echt in Massen gibt.
Alles wird in tausend Schichten Plastik verpackt und dann achtlos irgendwo hin geworfen. Es stinkt fast überall nach Urin und man muss ständig auf den Boden schauen um nicht in andere Exkremente zu treten. Es gibt einfach so viele sträunende Tiere hier, obwohl ich vermute, dass sich nicht nur Tiere auf der Straße erleichtern! Leider ist die Qualität der Entsorgung doch sehr unterschiedlich. Während in Recife die Hauptstraßen und der Strand regelmäßig von Männern mit großen Mülltonnen gereinigt wurden und man auch täglich Müllwagen gesehen hat, kann man hier in Salvador eigentlich nur den Müll entdecken - entweder als großen Haufen am Straßenrand oder als gleichmäßigen Bodenbelag am Strand.
Der Umgang mit Tieren in Brasilien ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig. Einerseits gibt es Nutztiere, wie Pferde oder Esel, die aber oft wirklich nur benutzt werden! Teilweise stehen sie verlassen in der Einöde am Straßenrand angebunden, ohne Futter und Wasser und man kann ihre Rippen zählen. Nicht reinrassige Hunde und Katzen werden von Brasilianern im besten Fall nicht beachtet. Manchmal sieht man einen Hund irgendwo liegen und weiß nicht, ob er nicht vielleicht schon tot ist. Reinrassige Tiere tragen sie stattdessen wie Kuscheltiere mit sich rum und verwöhnen sie nach Strich und Faden! Bei Lucianos Familie haben wir auch einen Einblick in das Leben der Mütter mit ihren Kindern gesehen. Die meisten Väter leben nicht mit ihnen, sondern haben sich aus dem Staub gemacht. Viele Kinder scheinen für ihre Mütter einfach nur belastend und latent störend zu sein. So lief der ca. 2 Jährige Kristo den ganzen Tag alleine durch die Gasse vorm Haus von Lucianos Familie, nahm alles in den Mund was dort auf dem Boden lag (und was dort liegt, hab ich ja grad erzählt), schrie in einer Tour ( wahrscheinlich nach Aufmerksamkeit), wurde von seiner Ma weggestoßen, damit sie in Ruhe telefonieren konnte und ausgeschimpft, wenn er etwas falsches tat. Es hat ihm niemand etwas erklärt, oder sich nur einen Moment mit ihm beschäftigt. Wenn er zu nah an die Straße gegangen ist, hat ihn irgendjemand am Arm gepackt und zurückgetragen. Im Nachbarhaus war ein kleiner Junge (2-3) hinter einer Gittertür im Haus eingeschlossen. Ich saß daneben, er stand hinter dem Gitter, also habe ich versucht ein bisschen mit ihm zu spielen. Ich wusste nicht, wo die Mutter war und hab versucht ihn abzulenken. Aber er hat natürlich gequengelt, dass er raus möchte! Daraufhin haben ihn alle angeschrien, er soll den Mund halten und als er dann angefangen ist, das Gitter hoch zu klettern, sind alle nur noch lauter geworden!
Sogar ganz kleine Babys werden zu jeder Tages und Nachtzeit überall mit hingenommen oder rumgetragen . Sie sitzen Um 11 Uhr Abends noch mit auf der Strandpromenade und haben keinen Ort an dem es einfach mal ruhig ist und sie ein paar Stunden schlafen können! Die Frauen hier haben es wahrscheinlich auch nie anders gelernt, sondern tun nur, was die eigene Mutter vorgelebt hat.
Die meisten Mütter wirken, als hätten sie keinen Bock auf ihre Kinder. Aber sie haben auch wenig Lust auf aufräumen oder saubermachen. Ich bin ja wirklich nicht pingelig, aber in der Gasse, in der die Kinder sich den ganzen Tag aufgehalten haben, lag doch tatsächlich die ganze Zeit ein Riesen Hundehaufen und unter Anderem ein Haufen Schutt aus zerbrochenen Ziegeln usw. Man kann doch wirklich gut erkennen, wie die Situation der Menschen auch ihre Motivation, etwas zu tun beeinflusst. Daraus entsteht dann ein perfekter Teufelskreis und es passiert offensichtlich nichts. Mir war es auch wichtig zu schildern, unter welchen Verhältnissen und auf welche Weise die Menschen dort leben. Mittlerweile sind wir schon ein ganzes Stück weitergekommen. In Salvador haben wir am nächsten Tag einen Spaziergang an der Küste entlang gemacht und tatsächlich einen einsamen Streifen Strand gefunden. Es war herrlich: Beni hatte die Gitarre dabei und hat auf einem Felsen im Meer gespielt. Man konnte bunte Fische im Wasser beobachten und in der Sonne eine Kokosnuss austrinken!


Abends haben wir gekocht und zwar endlich mal wieder nahrhaftes Essen! Wir glauben ja mittlerweile, dass die Niederländer ihre Esskultur hier mit rüber gebracht haben. Alles besteht aus fritiertem Teig, Fleisch und/oder ultra süßen Sachen. Z.B. Coxinhas gibt's hier überall (eine Kugel aus frittiertem Teig mit Fleisch-, Fisch-, oder Gemüsefüllung). Am nächsten Tag sind wir mit Sack und Pack zur Rodoviária (Busbahnhof) und überbrückten die Zeit bis zum Bus mit einem Besuch der durchaus beliebten und gelinde gesagt nicht seltenen, riesigen Shopping Malls. Aber natürlich mit Hintergrund: Mir war der Lesestoff ausgegangen! Also besuchten wir eine große Buchhandlung, in der es sogar deutsche Bücher gab! Sehr schön.
Am nächsten Morgen in Porto Seguro angekommen, fuhren wir direkt zur Fähre um zu einem reizenden kleinen Städchen an der Küste namens Arraial d'Ajuda überzusetzen. 


Dann hatten wir Glück, da wir durch unsere Backpacks, dem verschwitzten deutschen Aussehen und der ziellosen Rumrennerei zwei deutschen Mädels aufgefallen waren. Sie liefen hinter uns her und sprachen uns an. Außerdem hatten sie auch noch eine ultragünstige Pousada mit nem freien Zimmer. Tja und dann wurde es sau schön. Die Mädels hatten eine Nacht vorher in einer Barraca (eine Art Strand Bar mit Wohnung) draußen am Strand gepennt. Dort sind wir dann hingelaufen, eine Stunde am traumhaften, leeren Sandstrand entlang! Wir haben eine Kleinigkeit gegessen und getrunken und sind geblieben bis es dunkel wurde. Da es ab sechs schon tiefe Nacht ist, hatten wir beim Spaziergang zurück einen wunderbaren Sternenhimmel. Später haben wir dann alles für einen wunderbaren Abend eingekauft:
Frische, warme Sandwiches, Bier, Cachaça, Limetten, Zucker und Cracker. Es kamen noch Freunde der Mädels vorbei und wir feierten eine multilinguale und sehr internationale Party. Dabei waren: Deutschland, Brasilien, Italien und Hawai! Am nächsten Tag sind wir dann wieder zur Barraca und haben einen großen gebratenen Fisch für vier Personen gegessen. Mit dabei waren natürlich arroz ( ahois: Reis), feijada ( Bohneneintopf), batatas fritas, aipim ( frittierter Maniokteig), Farinha ( Maniokmehl) und Salat.
Delicioso! Danach haben wir mit den Besitzern der Barraca Beachvolleyball gespielt und sind geblieben bis es dunkel war. Da die Flut gerade ziemlich hoch stand, warteten wir etwas um einfacher zurücklaufen zu können und kamen mit den Leuten ins Gespräch! Es wurde wirklich ein lustiger Abend!
Später verzogen sich dann die Wolken und der Mond kam zum Vorschein. Auf einmal war es taghell, nur ohne Farben! Der Mond ließ auf dem Wasser einen breiten Streifen leuchten und leuchtete uns heim. Alles war schwarz, oder eine Abstufung von schwarz. Außerdem war nun Ebbe und das Meer war so weit weg, das man riesig viel Platz hatte zum laufen. So sind wir zügig zurückgekommen und dann noch etwas in die "Innenstadt" ( ein paar kleine Geschäfte und Bars) gegangen. Dort haben die Mädels wieder ein paar verrückte Brasilianer getroffen, die sie kannten. Mit einem hat Beni sich dann ca. eine Stunde über Black Metal Bands ausgetauscht...
Nun ist wieder eine schöne Zeit zu Ende und wir sitzen im Bus nach Rio. Mal schauen, ob Terezinha morgen da ist und uns abholt?!
...
Als wir gestern mittag am Busbahnhof angekommen sind, war niemand da, um uns abzuholen. Also haben wir uns ein Hostel in Rio gesucht und haben gestern schon eine schoene Nacht in einer Bar in Rio verbracht.




Im Hostel haben wir ein Paerchen, bestehend aus einer Argentinierin und einem Islaender  kennengelernt und sind mit ihnen ein bisschen Live Musik hoeren gegangen. Die Kommunikation war sehr witzig, da sie nur spanisch spricht und er spanisch und englisch. Also haben wir ungefaehr die Haelfte von dem verstanden, was sie uns erzaehlt hat und er hat den Rest uebersetzen muessen. So lernen wir also noch ein bisschen spanisch...
Terezinha hat uns dann abends noch geschrieben, dass sie am Busbahnhof gewesen waere, uns aber nicht gefunden haette. Wir wollten sie daraufhin anrufen, jedoch funktioniert die brasilianische Prepaid-Handykarte, die wir gekauft haben erst nach 24h.
Also werden wir heute versuchen, Terezinha anzurufen und das Projekt zu besichtigen.
Wir melden uns wieder, wenn wir mehr wissen.
 
Bis bald e muitas abraças (viele Umarmungen),
 
Beni e Sophia