Mittwoch, September 24, 2008
Montag, September 22, 2008
Abschied von Ronnie Drew
Quelle: Welt Online
Abschied
Ronnie Drew, Dubliner (1934-2008)
Von Matthias Heine 19. August 2008, 02:05 Uhr
Die Deutschen klammern sich ziemlich hartnäckig an ein romantisches Irland-Bild: kernig-ländliche Bartträger, die über grüne Wiesen zum nächsten Pub wandeln, wo sie dann alte Lieder anstimmen, die davon handeln, die Engländer auszutricksen. Erst beim zweiten Gedanken erinnert man sich dann daran, in der Zeitung gelesen zu haben, dass die grüne Industrienation mittlerweile ein höheres Pro-Kopf-Einkommen hat als Deutschland. Ronnie Drew, der mehr noch als Heinrich Böll mit seinem "Irischen Tagebuch" zu jenem rustikalen Irland-Bild beigetragen hat, ist am vergangenen Samstag mit 73 Jahren gestorben, doch die Mythen, die er neu interpretierte, werden ihn überleben.
Drew gründete 1962 mit Luke Kelly, Barney McKenna und Ciaran Bourke eine Folkband namens Ronnie Drew Group, die zunächst im Hinterzimmer von O'Donoghues Pub in Dublin auftrat, bevor sie unter dem Namen The Dubliners Welterfolg erlangte. Einige ihrer Lieder wie "The Rising of The Moon" oder "Whiskey in the Jar" waren Jahrhunderte alt, andere klangen nur so, waren aber von Poeten des 20. Jahrhunderts wie Brendan Behan geschrieben worden. Die Zeit war reif für die Dubliners, überall entdeckten junge Musikhörer das musikalische Erbe ihrer Heimatländer wieder.
Ronnie Drew, der am 16. September 1934 in der Hafenstadt Dun Laoghaire geboren wurde, hatte als Teenager eine Zeit lang das Wanderleben eines echten Folksänger geführt: Er ging nach Spanien, lebte von Englisch-Unterricht und eignete sich im Mutterland der Gitarre neue Spieltechniken an. Bei den Dubliners sang er später meist die kämpferischen und humoristischen Lieder während Kollege Luke Kelly mit seiner sanfteren Stimme für die Balladen zuständig war. Drews Stimme erklingt auch auf einem der größten kommerziellen Erfolge der Dubliners: "Seven Drunken Nights", mit dem sie 1967 hoch in die britischen Hitparade kamen. Bis vor einigen Jahren gingen die Dubliners (zuletzt ohne Ronnie Drew) auch regelmäßig auf Deutschland-Tourneen, die sie auch in die mittleren Städte führten. Ein letzter Höhepunkt der Bandkarriere war die Single "Irish Rover", die sie 1995 zusammen mit den Pogues aufnahmen, welche in den Achtzigerjahren ein zweites Irish-Folk-Revival eingefiedelt hatten.
In den letzten Jahrzehnten trat Drew solo nicht nur auf der Bühne in Sean Caseys Stück "Purpurstaub" und dem Lloyd-Webber-Musical "Joseph and his Amazing Technicolor Dreamcoat" auf, sondern sang auch auf Solo-Platten Lieder, die u. a. Elvis Costello, Bono und Shane McGowan für ihn geschrieben hatten. Bono nahm mit anderen U2-Mitgliedern sowie irischen Musikern wie Sinéad O' Connor, Shane McGowan und Christy Moore Anfang 2008 "The Ballad of Ronnie Drew" auf, deren Tantiemenprofite komplett der irischen Krebshilfe zu Gute kommen. Bono erklärte: "Ronnie ist wie der König von Irland, und wir sind alle seine Untertanen." Zu diesem Zeitpunkt litt Drew bereits seit eineinhalb Jahren an Krebs.
Abschied
Ronnie Drew, Dubliner (1934-2008)
Von Matthias Heine 19. August 2008, 02:05 Uhr
Die Deutschen klammern sich ziemlich hartnäckig an ein romantisches Irland-Bild: kernig-ländliche Bartträger, die über grüne Wiesen zum nächsten Pub wandeln, wo sie dann alte Lieder anstimmen, die davon handeln, die Engländer auszutricksen. Erst beim zweiten Gedanken erinnert man sich dann daran, in der Zeitung gelesen zu haben, dass die grüne Industrienation mittlerweile ein höheres Pro-Kopf-Einkommen hat als Deutschland. Ronnie Drew, der mehr noch als Heinrich Böll mit seinem "Irischen Tagebuch" zu jenem rustikalen Irland-Bild beigetragen hat, ist am vergangenen Samstag mit 73 Jahren gestorben, doch die Mythen, die er neu interpretierte, werden ihn überleben.
Drew gründete 1962 mit Luke Kelly, Barney McKenna und Ciaran Bourke eine Folkband namens Ronnie Drew Group, die zunächst im Hinterzimmer von O'Donoghues Pub in Dublin auftrat, bevor sie unter dem Namen The Dubliners Welterfolg erlangte. Einige ihrer Lieder wie "The Rising of The Moon" oder "Whiskey in the Jar" waren Jahrhunderte alt, andere klangen nur so, waren aber von Poeten des 20. Jahrhunderts wie Brendan Behan geschrieben worden. Die Zeit war reif für die Dubliners, überall entdeckten junge Musikhörer das musikalische Erbe ihrer Heimatländer wieder.
Ronnie Drew, der am 16. September 1934 in der Hafenstadt Dun Laoghaire geboren wurde, hatte als Teenager eine Zeit lang das Wanderleben eines echten Folksänger geführt: Er ging nach Spanien, lebte von Englisch-Unterricht und eignete sich im Mutterland der Gitarre neue Spieltechniken an. Bei den Dubliners sang er später meist die kämpferischen und humoristischen Lieder während Kollege Luke Kelly mit seiner sanfteren Stimme für die Balladen zuständig war. Drews Stimme erklingt auch auf einem der größten kommerziellen Erfolge der Dubliners: "Seven Drunken Nights", mit dem sie 1967 hoch in die britischen Hitparade kamen. Bis vor einigen Jahren gingen die Dubliners (zuletzt ohne Ronnie Drew) auch regelmäßig auf Deutschland-Tourneen, die sie auch in die mittleren Städte führten. Ein letzter Höhepunkt der Bandkarriere war die Single "Irish Rover", die sie 1995 zusammen mit den Pogues aufnahmen, welche in den Achtzigerjahren ein zweites Irish-Folk-Revival eingefiedelt hatten.
In den letzten Jahrzehnten trat Drew solo nicht nur auf der Bühne in Sean Caseys Stück "Purpurstaub" und dem Lloyd-Webber-Musical "Joseph and his Amazing Technicolor Dreamcoat" auf, sondern sang auch auf Solo-Platten Lieder, die u. a. Elvis Costello, Bono und Shane McGowan für ihn geschrieben hatten. Bono nahm mit anderen U2-Mitgliedern sowie irischen Musikern wie Sinéad O' Connor, Shane McGowan und Christy Moore Anfang 2008 "The Ballad of Ronnie Drew" auf, deren Tantiemenprofite komplett der irischen Krebshilfe zu Gute kommen. Bono erklärte: "Ronnie ist wie der König von Irland, und wir sind alle seine Untertanen." Zu diesem Zeitpunkt litt Drew bereits seit eineinhalb Jahren an Krebs.








